Allgemein

Die Bindung, die bleibt – Continuing Bonds

«Lass einfach los!»

 

Wer kennt ihn nicht, diesen Satz?

Tatsächlich wurde Trauernden früher sogar von Fachpersonen angeraten, sie sollen die verstorbene Person loslassen. Die Idee, dass wir die Trauer überwinden können, wen wir alle Gedanken und Erinnerungen an den Toten vermeiden, scheint zuerst plausibel. Schliesslich leidet niemand gerne.

Selbst der bekannte Trauertherapeut Roland Kachler hat dies seinen Klienten geraten, bis sein eigenes Kind verstorben ist. In der Erfahrung ist es nämlich so, dass man sein Kind nicht einfach fallen lassen möchte. Genauso stellen wir uns aber loslassen im deutschen Sprachgebrauch meist vor.

Wie Kachler ergeht es auch den meisten Sterneneltern. Die Erinnerung an das eigene Kind möchte nicht einfach ausgelöscht werden. Sie möchte einen Platz im Herzen der Eltern finden, und auch dortbleiben dürfen. Idealerweise ist auch noch ein unterstützendes Umfeld vorhanden, an dass sich die Betroffenen bei Bedarf wenden können.

 

Das Konzept, dass die Beziehung zu seinem Kind nicht mit seinem Tod endet, und etwas davon weitergelebt werden darf, nennt sich Continuing Bonds.

Heute geht man also davon aus, dass es gesund ist, wenn man einen Teil der Trauer nie ganz «überwindet», sondern etwas davon lebendig hält, so lange es uns nicht vom Leben abhält.

Die Bindung endet nicht einfach, die Liebe zum eigenen Kind bleibt für immer. So kann es nach einem Verlust hilfreich sein, ein Grab bewirtschaften zu dürfen, weil es immerhin noch etwas ist, was man für sein Kind machen kann. Andere fühlen sich ihrem Liebsten nicht auf dem Friedhof, sondern an einem anderen Ort am meisten verbunden, auch das besuchen dieser Plätze ist ein Weg, wie Beziehung weitergelebt werden kann. Was ich allen Sterneneltern raten kann, ist eine Erinnerungsbox, welche man hervor nehmen kann, aber auch wieder an einen sicheren Ort stellen darf. Des Weiteren sind Rituale am Geburts- und Todestag ein meist wichtiger Teil eines Trauerweges. Wie immer gilt: Alles kann, nichts muss.

Trauer möchte gesehen, gefühlt und umgewandelt werden. Die Verdrängung des natürlichen Prozesses, der jedem von uns von Geburt an mitgegeben wurde, ist fatal. Die Folgen sind oft körperliche Beschwerden. Umso wichtiger ist es, dass wir wieder lernen, zu trauern, um uns dem Leben mutig zuwenden zu können.

Für Sterneneltern wäre es meiner Meinung nach vor allem sehr hilfreich sein, wenn wir es als Gesellschaft aushalten lernen, dass nicht alle Schwangerschaften mit der Geburt eines gesunden Babys enden. Umso wichtiger, dass mittlerweile bekannt ist, wie wichtig Fotos werden können. Manchmal sind die Bilder nach der Geburt die einzigen, die Eltern und Familie für den Rest ihres Lebens haben. Auch Fuss- und Händeabdruck sind eine schöne Idee, eine letzte, bleibende Erinnerung zu schaffen.

 

In der Schweiz den Verein Herzensbilder, den man ab der vollendeten 24. Schwangerschaftswoche für Fotos anfragen kann.

Spricht dich persönlich «Continuing Bonds» an? Lebst du die Beziehung mit deinem Kind in einer Form weiter? Ich freue mich über eure Erfahrungen!

 

Herzlichst, Katharina

 

 

 

 

Mehr über Herzensbilder: http://www.herzensbilder.ch

Mehr über Roland Kachler: http://www.kachler-roland.de

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