Allgemein · Folgewunder · Leben mit der Trauer

Leben, Lieben, Loslassen

Sternenmama, Folgewundermama was hab ich nicht alles gedacht, geträumt, erhofft, davon endlich ein Familie zu sein, endlich.
Die Wahrheit darüber ist traurig, sie ist bitter, ich weiß nicht ob ich jemals darüber hinweg komme.
Denn diese Familie gibt es nicht, gab es vermutlich nie, eine Illusion von etwas was nie da war.
Der Vater meiner Kinder, den ich solange versucht habe zu sehen wie er sein könnte, wie oft habe ich darüber geschrieben, dass ich in ihm Halt suche..
Er hat sie mit sich genommen, die kleine heile Welt in der ich so gerne leben wollte. Es ist vielleicht eine Wahrheit die viele Frauen mit sich tragen die ein Kind tot zur Welt bringen mussten, ein Kind viel zu früh haben gehen lassen müssen, egal in welcher Woche, gewollt, ungewollt, ganz egal. Eine Wahrheit die viele von uns verschweigen, die sich ihre Scheinwelt aufbauen um irgendwie noch existieren zu können,der rettende Beweis, den man nur leider grade nicht hat. Mit dem Tod des Kindes ist der Partner, der Mann ebenfalls gegangen, wenn auch erst mal nur seelisch.

Die Wahrheit, er war nicht auf der Beerdigung unserer Tochter und nicht bei der Geburt unseres Sohnes, von dem ich dachte er sei unser gemeinsamer, sehnlichster Wunsch, einfach gegangen. Oft frage ich mich ob uns doch der Tod unserer Tochter den finalen Stoß gegeben hat oder ob er einfach ein schlechter Mensch ist. Suche Entschuldigungen, Erklärungen für etwas was für mich nicht erklärbar ist. Ein weiterer Tod, der Tod meiner Ehe, mein so gewünschter Sohn, mein Regenbogenbaby, mein Partner mit dem ich mich gemeinsam an Marie erinnern wollte.
Und immer noch fehlt sie, sie fehlt so sehr. Dieses Puzzleteil in meinem Leben, welches für immer unvollendet sein wird. An die sich nun niemand mehr erinnern wird gemeinsam mit mir, weil es niemanden gibt der sie ebenfalls Arm hatte.

Vieles ist gut, ich bin ein glücklicher Mensch, Gott sei Dank will ich wohl behaupten, ich stehe auf nach Rückschlägen, aber da ist dieses Gefühl das fehlt, wann immer etwas passiert. Ich habe die Relation verloren, denn im Endeffekt ist der einzige Gedanke „naja ich habe den Tod von Marie verkraftet, schlimmer ist das was grade passiert auch nicht“.
Ein Herz was lieben will, so viel Lieben geben könnte aber doch so kaputt ist. Es ist wie ein Herz aus Porzellan, das zerbrochen ist, mit Klebeband wieder zusammen gesetzt, es ist wieder „ganz“ , nur kaputt gehen kann es nicht, denn bei Bedarf knicken sich nur die Ränder der Scherben weg vom Klebenband, elastisch… nicht heil aber auch nicht kaputt. Mein Sohn der mich so glücklich macht aber kein Partnerersatz ist. All die Momente mit ihm an die sich niemand mit mir zusammen erinnern wird. Oft will ich mich betäuben, oft will ich diesen Schmerz hinaus schreien. Alles was bleibt ist ein Mensch der weiter macht, nicht aufgeben mag, der daran glaubt, dass das Leben vorwärts gelebt und rückwärtsverstanden wird. Es bleibt ein Mensch, eine Frau, die es so unglaublich leid ist für schwach gehalten zu werden nur weil sie immer noch geben kann, statt nur zu nehmen. Es macht müde, ich will mich nicht mehr erklären.
Ich bin 29, ich habe eine tote Tochter die Trisomie18 hatte, die durch einen Fetozid starb, ich bin 29 und habe einen kleinen Sohn, ich bin 29 und alleinerziehend und werde im Sommer geschieden, ich bin 29 und habe einen Exmann der ein Doppelleben geführt hat und grausamer nicht sein könnte in seiner Offenbarung davon. Ich bin 29 und all dies hat mich nicht mein Lachen, meine Liebe im Herzen verlieren lassen.
Wenn ich fürsorglich bin, dann nicht weil ich nett bin sondern weil man das meiner Meinung so macht als Mensch, weil es gesund ist fürsorglich zu sein, weil ich gelernt habe, dass wenn man nicht rechtzeitig liebt, es zu spät sein kann. Gefühle sind gut, nach Verletzungen offen zu bleiben so wichtig, denn was bleibt sonst? Ich WILL fühlen, ich will niemandem entgegen treten und ihn aufgrund meiner Erfahrungen vorverurteilen. Ich WILL lieben, ich gehe das Risiko ein, genauso fühlt sich eine Folgeschwangerschaft an. Der Kampf ums Vertrauen, wir wissen alle, dass wir wieder verletzt werden können, „scheitern“, erneut leiden, aber es besteht auch die Chance belohnt zu werden. Der Beweis liegt neben mir, es lohnt sich so sehr. Es gibt nichts schlimmeres als Bewertungen aufgrund alter Verletzungen, es erfordert Mut, Kraft und Wille, all das ist Arbeit, oft Schwerstarbeit. Es mag leicht aussehen mit Übung, so leicht wie eine Ballerina beim Spitzentanz, aber ich habe mein Lebtag noch keine kaputteren Füße gesehen, blutender, schmerzender… dafür, dass es leicht aussieht.

Ein Kommentar zu „Leben, Lieben, Loslassen

  1. Natürlich der Tod eine schmerzliche Erfahrung,sie verändert unser Leben gnadenlos,sie fragt nicht ,ob es passt.sie ist einfach schmerzvoll , sie nimmt von beiden Eltern etwas mit ,die Freude,die Unbekümmertheit,man schleicht lauernd um sich herum ,müde und verzweifelt .dabei sollte es doch ganz anders werden ..Väter sind anders als Mütter,sie sind aussen vor,sie sollen aber fühlen sich noch im Abseits .wollen helfen aber empfinden sich als Störfaktor ,Mutter und Tochter beide auf ihre Weise unnahbar und so zerbrechen die lieben des Lebens am realen Leben und jetzt ein Sohn ,der soll alles kitten , der Sohn der Welt auf den Schultern trägt ,ich denke er hat eine Mama verdient,die sich ihrer besinnt ,Mama zu sein 2 Kinder ,die trotz allen auf ihren Füssen steht ,die anders geworden ist und auch das auch rockt , denn in ihrer Hand liegt ein wundervoller Mensch ,der ihr voller Vertrauen sein Leben an vertraut….meine Oma sagte immer „was du jetzt jaulst,brauchte später nicht pinkeln ..das heißt vertraue dir sowie es dein Sohn macht , er zeigt dir wie es geht , Pack dich nicht in Watte ,sondern Stelle dich hin und liebe dich sowie dein Sohn liebt und du ihn liebst , den Rest erzählt euch der Wind ,falls du zweifelst,schau zu deiner Tochter hoch hinauf zu den Sternen,sie wird sagen ihr beide rockt das als meine Familie wir sind drei starken Menschen ,uns verbindet die liebe ein Leben lang

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