Deine Geschichte · Gastbeitrag

…ein Hauch von Leben

Ich weiß nicht recht, wo ich anfangen soll..
Es ist nicht leicht und auch ein zweites Mal macht alles definitiv nicht leichter oder einfacher.

Wir haben im Mai letzten Jahres von unserem Pünktchen erfahren. Erst waren wir überrascht und haben uns dann sehr gefreut. Eigentlich wollten wir es für uns behalten, irgendwie ist es dann doch raus gekommen. Unsere Eltern und alle anderen haben sich sehr für uns gefreut.


Dann kam mein Frauenarzttermin an dem ich endlich meinen Mutterpass bekommen sollte. Ich war gerade in der neunten Woche und war schon so gespannt und aufgeregt auf den Ultraschall, bis jetzt war ja nur ein Pünktchen zu sehen gewesen.
Mein Arzt schallte und schallte, guckte immer konzentrierter und sagte nichts. Ich wurde immer unruhiger. Irgendwann sagte er, dass er leider nichts erkennen könnte, es habe keine Entwicklung stattgefunden. Er müsste bereits einen Herzschlag finden können, aber dieser war nicht zu finden.

Ich fiel und fiel, es zog mir den Boden unter den Füßen weg. Ich konnte es erst gar nicht begreifen und dann konnte ich nur noch weinen.

Mein Frauenarzt erklärte mir alles in Ruhe, immer wieder und zeigte mir meine Möglichkeiten auf. Für mich stand sofort fest, dass ich unser Pünktchen so schnell wie es geht frei geben wollte. Ich konnte es kaum ertragen.


Mir wurde alles mitgegeben und ich bin irgendwie mit dem Auto nach Hause gefahren. Mein Freund sah sofort, dass etwas nicht stimmte und war direkt für mich da.
Am nächsten Tag bin ich dann mit meiner Mutter ins Krankenhaus gefahren, später kam mein Freund und hat meine Mutter abgelöst.
Es war ein schlimmer Tag, ich habe viel geweint und würde viel getröstet.
Alles verlief komplikationslos und ich konnte noch am selben Tag wieder nach Hause, nur ein Teil von mir blieb dort.

Nach und nach erholte ich mich, ich machte mir ein Erinnerungsarmband. Es hilft mir, mich daran zu erinnern, wie schlimm es war und ist, aber auch welche Kraft ich mir selber bewiesen habe.

Im November war es wieder so weit, meine Regel blieb aus und ich bin zum Frauenarzt gefahren, voller Hoffnung. Er nahm mir Blut ab und ich sollte mich am nächsten Tag melden, dass tat ich. Leider war das Ergebnis nicht so eindeutig. „Es hat eine Schwangerschaft bestanden oder es baut sich gerade eine auf.“

Natürlich hofften wir. Ich sollte am nächsten Tag wieder zur Blutabnahme herkommen. Doch am Morgen hatte ich sehr starke Blutungen, ich wusste sofort was es bedeutet. Trotzdem bin ich zur Blutabnahme gefahren, habe den Arzthelferinnen von den Blutungen erzählt, sie meinten, es kann alles bedeuten und ich sollte den Bluttest machen und das Ergebnis abwarten. Ich wusste aber was es bedeutet.
Am Abend dann das Ergebnis vom Arzt. Es bestand eine Schwangerschaft, die Blutung war eine Abbruchblutung.
Stille, es tat weh, mal wieder, in die gleiche Wunde, schon wieder.

Im Dezember blieb meine Regel plötzlich wieder aus, ich konnte es nicht glauben, traute mich auch erst nach ein paar Tagen, nach denen ich sicher war, dass ich mich nicht getäuscht habe, einen Test zu machen. Er war positiv. Wir freuten uns riesig. Ich machte direkt einen Termin beim Frauenarzt.
Und auch dieser war positiv, in der sechsten Woche war der Herzschlag im Ultraschall bereits zu hören. Ich weinte vor Freude.


In ein paar Wochen sollte dann der Mutterpass aufgestellt werden. Ich habe mich so auf diesen Termin gefreut. Wir waren so aufgeregt, immerhin waren wir schon so viel weiter gekommen, als bei unserem Pünktchen. Wir freuten uns so sehr und beschlossen, dass wir es dieses Mal für uns behalten wollten.
Aber dann traten in der achten Woche Blutungen auf, natürlich am Sonntag. Ich machte mir sofort Gedanken, mein Freund beruhigte mich sehr. Doch die Angst blieb, bei uns beiden.


Montag bin ich dann in meiner Mittagspause zum Arzt und er bestätigte mir, was ich irgendwo tief im inneren bereits wusste. Er schallte und schallte wieder. Leider war der Herzschlag nicht mehr zu finden.
Und wieder Stille, Trauer die mich überkam und dieses Fallen, immer tiefer.

Wieder stand ich vor der gleichen Entscheidung. Ich entschied mich wieder wie bei Pünktchen. Mein Freund, dass wusste ich, würde mich bei jeder Entscheidung unterstützen.
Ich konnte es nicht glauben, schon wieder.


Immer wieder stellte ich mir die Frage „Warum wir? Warum schon wieder?“
Wir sind dann am selben Tag zusammen zum Krankenhaus gefahren und am Abend nach einem komplikationslosen Eingriff wieder zurück. Wir waren froh, dass es so komplikationsfrei geklappt hat, merkten aber auch, dass ein Teil von uns fehlte.

Wir waren beide extrem traurig und enttäuscht.
Mein Freund gab sich die größte Mühe mich irgendwie aufzumuntern. Sodass wir beide nicht die ganze Zeit daran denken mussten.
Aber auch wenn ich schon wusste was wann wo passiert, es war mindestens so schlimm wie bei unserem Pünktchen. Immer wieder fiel ich in ein tiefes Loch.

Und wenn ich es auch besser weiß, immer wieder fragte ich mich, was ich falsch gemacht habe.

Mieses Karma? Wünscht uns irgendwer alles schlechte herbei? Oder einfach nur Pech? Warum?
Ehrlich gesagt, ich habe keine Antwort und werde wahrscheinlich auch niemals eine finden.
Immer wieder kommen mir die selben Fragen in den Kopf, es dreht sich und ich bin unendlich traurig. Das Weinen wird weniger, hört nie ganz auf, aber langsam wird es besser. Nicht gut, oder wie früher, dass wird es nie.

So traurig es auch ist, ich bin dankbar, dankbar, dass ich einen so tollen Partner an meiner Seite habe, der in wirklich jeder Situation für mich da ist.
Das alles hat uns noch stärker zusammen geschweißt. Ich glaube, wir schaffen wirklich alles. Wir sind wesentlich stärker durch das alles geworden, obwohl es unfassbar schmerzt und es immer weh tun wird, ist dies unsere gemeinsame Geschichte die uns immer wieder traurig machen, aber auch Kraft geben wird.


Wir sind dankbar, dass wir uns haben.

Liebe anonyme Mama (29 Jahre alt), danke für deine Geschichte! Es tut uns sehr leid für deine Verluste! Verliere nie die Hoffnung!

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