Deine Geschichte · Gastbeitrag

Du machst den Himmel so schön

Irgendwann kommt der Tag, an dem du bereit bist, eine Familie zu gründen. Voller Vorfreude gehst du an die Familienplanung heran und machst so viele Pläne…und dann passiert es einfach nicht, du wirst nicht schwanger und gehst der Sache auf den Grund…
Im Februar 2018 starteten wir nach über einem Jahr Kinderwunsch mit unserer ersten ICSI. Der Weg bis dahin war kein leichter und an all den Diagnosen, die einer natürlichen Schwangerschaft im Weg standen, sind mein Mann und ich fast zerbrochen. Es tat weh, man machte sich Gedanken um eine Zukunft ohne Kinder und hasste jede Frage nach Nachwuchs.
Unsere erste ICSI sollte erfolgreich sein und ich wurde schwanger. Als wir in der 8ssw das Herz schlagen sahen und dachten, dass kaum noch etwas schief gehen kann, weihten wir die engste Familie ein. Quasi direkt nach den Telefonaten, am Tag nach meinem Geburtstag, begannen die Blutungen. Wir fuhren ins Krankenhaus und bekamen Entwarnung…alles sah gut aus.
Am nächsten Tag waren die Blutungen stärker, ich feierte meinen Geburtstag mit der Familie nach und war nicht eine Sekunde bei der Sache. Ich merkte, wie ich immer mehr Unterleibsschmerzen bekam und als die Gäste fort waren, bat ich meinen Mann, erneut mit mir ins Krankenhaus zu fahren.

Jetzt war ein kleines Hämatom zu sehen. Man müsste abwarten, es gäbe aber keinen Grund zur großen Sorge…aber natürlich kann so früh immer etwas passieren…
Ich beschloss jetzt wieder positiv zu sein und dem kleinen Bauchbewohner zu vertrauen.

Am nächsten Morgen streichelte ich meinen Bauch, wünschte dem Baby einen guten morgen und glaubte fest daran, dass positive Gedanken uns retten können. Ich machte es mir auf dem Sofa gemütlich und schonte mich weiter, bekam immer stärkere Krämpfe und wollte nicht mehr aufstehen und nicht zur Toilette, denn ich wusste mittlerweile doch sehr genau, was gerade passierte und das der feste Gedanke daran, dass alles gut wird hier nicht reichen kann.
Irgendwann musste ich dann doch zur Toilette und dann war es da, das ganze Blut, immer mehr, ohne Pause…ich verlor die Plazenta…rief meine Mutter an und bat sie, mit mir ins Krankenhaus zu fahren. Wir warteten dort ewig und ich erlebte dort so viele grausame Momente, denn offenbar war der junge Assistenzarzt noch weit von Empathie und richtigem Handeln in einem solchen Fall entfernt.

Heute empfinde ich das Erlebte dort als das traumatischste an dem Verlust.
Während der Wartezeit spielte mein Kopf mir einen Streich nach dem anderen, er fand tausend Gründe, warum vielleicht doch noch alles gut werden würde…bis dann der Ultraschall und die Worte: „ich kann keine Aktivität mehr feststellen“ kamen.
Am folgenden Tag gab es eine Ausschabung und eine Weile danach hatten wir die wunderbare Möglichkeit, unseren Stern mit anderen Sternenkindern nach einem Gottesdienst beisetzen zu lassen.
Das tat unglaublich gut, denn es war ein Abschluss und ein Ort für meine Gedanken und die Trauer.
Mancher findet das alles übertrieben, weil es ja noch „so früh “ war, aber ein Kind bleibt ein Kind, egal wie klein es noch gewesen sein mag und genau so bricht auch das Herz einer Mutter, egal wie groß oder klein das Kind war. Denn da sind immer zerplatzte Träume und Dinge, die einem genommen werden. Der Gedanke wie das Kind ausgesehen hätte, wann es seine ersten Zähne bekommen hätte, was das erste Wort gewesen wäre usw.
Ich habe lange getrauert und tue dies auch heute noch. Aber wenn ich heute zu den Sternenkindern auf den Friedhof fahre, bin ich nicht alleine, denn im Mai diesen Jahres durften wir unsere Tochter in die Arme schließen. Unseren Regenbogen, der uns unglaublich viel gibt und dankbar macht. Eine Schwangerschaft, die mit Blutungen begann und somit fast immer von großen Ängsten begleitet war. Das Los einer Sternenmami ist wohl nie wieder mit der gewünschten Leichtigkeit in eine Schwangerschaft zu starten.
Wir stehen dann gemeinsam vor dem Sternchen und ich erzähle meiner Tochter von ihrem großen geschwisterchen…davon, dass kleine helle Sterne eigentlich noch nicht am Himmel stehen sollten, sondern nur die großen alten, deren Licht nur noch ganz schwach leuchtet. Aber das eben genau dann der Himmel nicht so wunderschön leuchten könnte.

Liebe @1x_kleines_wunder_bitte, danke für deine Geschichte. Euer Sternchen wird immer hell für euch leuchten und nie vergessen sein!

Ein Kommentar zu „Du machst den Himmel so schön

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s