Folgewunder · Gastbeitrag

Von der Angst

Angst. Dieses Wort existierte in meiner ersten Schwangerschaft absolut nicht. Ich bin nie davon ausgegangen, dass etwas passieren könnte. Wieso auch? In meinem Schwangerschaftsbuch gab es ein Kapitel über “ Medizinische Notfälle“ Ich habe dieses Kapitel nicht gelesen. Nicht, weil ich Angst hatte, nein, es interessierte mich einfach nicht. Es war doch alles gut.

Heute beneide ich die Frauen, die so angstlos, oder sogar naiv ihre Schwangerschaften genießen können. Wenn Frauen sagen, “ ich erzähle es dann in der 12. Woche wenn alles sicher ist“ kann ich echt etwas ärgerlich über diese Aussage werden. Warum gehen sie davon aus, das dann alles sicher ist? Einen gewissen Teil Schuld daran haben die Frauenärzte, die sagen nach den ersten drei Monaten ist alles gut, es passiert nichts mehr. Mein Frauenarzt sagte diesen Satz vor ein paar Wochen zu mir. Er meinte die ersten drei Monate müssen man abwarten, da kann ja immer was passieren. Als ich ihm entgegenete, dass doch die gesamte Schwangerschaft etwas passieren kann, antwortete er, dass wäre ja äußerst unwahrscheinlich.

Warum dann, liebe Ärzte gibt es so viele Sternenkinder die nach der zwölften Woche geboren werden?

Jedenfalls verlief die erste Schwangerschaft ohne jegliche Angst. Bei der Zweiten sah es dann etwas anders aus. Blutungen in den ersten Wochen, zu wenig Fruchtwasser. Ich musste vier Wochen liegen. Da schaute die Angst ein wenig um die Ecke und machte mich unsicher. Doch nachdem alles ausgestanden war gab es keine Zweifel mehr. Ich verschwendete keinen Gedanken mehr an die Angst.

Die dritte Schwangerschaft verlief tiefenentspannt. Selbst einige Blutflecken in den ersten Wochen konnten mich nicht verunsichern. Dann kommt das halt einfach vom Muttermund, sagte ich mir nachdem keine Ursache zu finden war und damit war die Sache erledigt. Ich war sogar so entspannt, dass ich im 3. Trimester, wenn man alle zwei Wochen zum Arzt muss, die Termine sausen ließ und meine Hebamme kommen ließ, um nur alle vier Wochen zum Arzt fahren zu müssen.

Beim CTG alle vier Wochen hätten sie sogar den Ton austellen können. Das ist mir heute unbegreiflich. Es endete sogar in einer geplanten Hausgeburt mit einer erfahrenen Hebamme die absolute Befürworterin von Hausgeburten und absolute Gegnerin von Klinikgeburten ist. Was sollte schon schief gehen. Heute schaudert es mir ein wenig, wenn ich bedenke, was doch alles hätte passieren können, owohl es eine absolut positive Erfahrung war.

Bei der vierten Schwangerschaft ging ich schon beim ersten Termin in der 5.oder 6. SSW mit einem Kloß im Hals aus der Praxis. Plötzlich war sie da, die Angst. Von gleich auf jetzt. Es war noch kein Herzschlag da, was ja in dieser frühen Zeit nicht ungewöhnlich ist. Ich bekam dann auch noch Blutungen. Der Herzschlag war zwar dann da, aber die Angst blieb.

Bis zur zwölften Woche normalisierte sich alles und ich bekam Hoffnung. Dann in der 14. SSW der Schock: Das Baby ist tot. Es soll still geboren werden. Nach diesem Erlebnis war die Angst da ohne dass sie ging.

In der Folgeschwangerschaft war ich ständig beim Arzt. Zum Glück war er sehr einfühlsam und machte bis zur 23. Woche jedesmal einen Ultraschall, um mich zu beruhigen. Zum CTG ging es manchmal wöchentlich, weil ich nicht mehr aushielt.

Als mein Regnbogenbaby dann da war, ist die Angst ein wenig zur Seite gerutscht. Dann habe ich „nur“ standig konrolliert, ob es noch atmet. Egal ob nachts oder draußen im Kinderwagen. Was dann im Laufe der Zeit aber auch besser wurde.

Jetzt bin ich wieder schwanger, in der 11. Woche. Und die Angst ist da. Vom ersten Moment an. Vielleicht spinnt ja der Test und dann ist da plötzlich doch nichts, das Baby etwas zu klein, aber mit meinem angegebenen Zyklus passt es dann doch wieder. Der nächste Termin, alles in Ordnung. Der ET rückt ein paar Tage nach vorne. Und trotzdem weicht sie nicht von meiner Seite, die Angst.

Ich traue mich nicht auf die Schwangerschaft einzulassen. Dränge es irgendwie an die Seite. Ich kann gerade noch keine Bindung zum Baby aufbauen. Was, wenn beim nächsten Termin in der 13. Woche alles vorbei ist? Ich frage mich, ist die Übelkeit noch da? Die sowieso kaum zu spüren war die letzen Wochen? Warum bin ich seit zwei Tagen nicht mehr so kaputt? Ich hätte den ganzen Tag auf dem Sofa liegen können. Ist das ein Zeichen? Ändert sich da wieder was in meinem Körper oder ist das normal, dass jetzt die Energie zurückkehrt? Ist das Bauchziehen normal oder auch ein Zeichen? Ich kann es kaum noch aushalten bis zum Termin. Die letzen Tage davor vergehen immer gar nicht. Ich habe solche Angst, dass ich hingehe und es ist vorbei. Ständig die Frage ist es noch da oder nicht. Ich mache mich selbst verrückt.Aber das wird mich wohl die ganze Zeit der Schwangerschaft begleiten. Die Angst wird immer da sein.Sie wird mich nicht in Ruhe lassen.

Liebe Britta, danke für deine Worte. Wir wünschen dir alles Gute für die Schwangerschaft und die Geburt – und ganz viel Hoffnung!

2 Kommentare zu „Von der Angst

  1. Bei der Aussage ,dass nach der 12 . Woche alles sicher ist werde ich eigentlich nicht ärgerlich, sondern vielmehr traurig. Traurig über die Naivität, traurig über die fehlende Aufklärung, ja traurig darüber, dass unsere Gesellschaft wieder einmal Stillschweigen über Sternenkinder bewahrt. In meiner ersten Schwangerschaft ahnte ich auch nichts von den unzähligen Schwangerschaften , die in Fehlgeburten oder stillen Geburten enden. Heute, nach 2 Sternenkindern und einem Regenbogenkind weiss ich es leider besser. Natürlich ist eine Schwangerschaft etwas wunderbares, neues Leben entsteht. Trotzdem finde ich es nicht richtig, dass nicht auch über das „Was wenn …. (doch etwas schiefgeht) gesprochen wird.

    Liken

  2. Rutsche Mal meine liebe ,klar haste Angst ,Fakt ist eine schwangerschaft, kann gut oder schief gehen ,und genau vertrau auf dich , lausche in dir ..es tut weh ,kannst ruhig weinen ..es sitzt noch in dir ..ganz normal ,aber in dir sitzt ein kleines Wesen ,dass lauscht,was die Mama macht ,was denkt es wohl „freut sich die Mama auf mich ,oder muss ich mich klein machen und verstecken ,höre Musik ,es hört mit ,lausche und spreche mit ihm ..es wird dir antworten ..wenn dir etwas komisch vorkommt ,fahre ins Krankenhaus …warum weil du Sternenmama bist und die hören auf ihre Weise,dass Gras wachsen ,sprich sie sind gezeichnet …ansonsten lege die Hand auf den Bauch und vertraue auf dich ..

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s