Deine Geschichte · Gastbeitrag

Eileiterschwangerschaft mit meinem Pünktchen

Mai 2019. Am Wochenende kein Appetit auf Alkohol, schon ein bisschen außergewöhnlich und ich bin so müde. Meine Tage sind auch noch nicht da. Dienstag der 7.5.19 – Zyklustag 30, so langsam ist es mir unheimlich. Vor dem Frühdienst ein Schwangerschaftstest, es zeigt sich eine leichte zweite hellrosa Linie. Dachte, wenn dann ist der eindeutiger, ist der Test kaputt? Mache noch einen, das gleiche. Sind das Verdunstungslinien? Scheint negativ, ab in den Müll. Ich muss los, beeile mich und frage mich, ob ich zu doof bin für die Tests.

Auf Arbeit verdränge ich das Thema. Es war viel zu tun. Wieder Zuhause lässt mir das keine Ruhe, weil immer noch keine Periode in Sicht. Ich hole die Tests aus dem Müll, nicht mehr ganz so hellrosa. Mache Fotos und Frage meine Freundin um Rat. Sie meint: schwanger. Ich muss weinen. Mein Herz hüpft.

Ich gehe los und hole weitere Tests, 10er und 20iger, waren mir bis dahin unbekannt, aber man lernt ja dazu. Zwei weitere Tests mit Mittagsurin und deutlichem zweiten Strich fange ich langsam an, daran zu glauben. Ich rufe meine Mama an und sie freut sich mit mir. Mache einen Termin beim Frauenarzt. Er möchte mich direkt morgen sehen, weil er dann 2 Wochen in Urlaub ist, kommt mir sehr gelegen.

Nachts um 4 Uhr, an schlafen ist nicht zu denken, ich bin so nervös. Mache einen weiteren Test, safty first. Und dann steht da: SCHWANGER!!! Erst jetzt glaube ich es so richtig und ich muss weinen, vor Glück und vor Freude. Ich lege mich ins Bett, streichle über meinen Bauch “Pünktchen, wir zwei schaffen das“.

Beim Frauenarzt angekommen, direkt zur Blutabnahme, dann zum Ultraschall. Außer einer hochaufgebauten Schleimhaut war nichts zu sehen, es war noch sehr früh, Schwangerschaftswoche 4+2. Ich informierte auf Arbeit meine direkte Vorgesetzte, ich brauche Schutz für mein Baby und mich, bevor ich es bereuen muss.

Am Wochenende bin ich zu Besuch bei meiner Familie. Sie reagieren leider alle sehr verhalten, eher negativ und ich bin traurig. Jedoch freue ich mich über erste kleine Wehwechen. Wenn ich nicht alle 3 Stunden etwas kleines esse, wird mir ganz flau, meine Bürste spannen, im Bauch zieht es und er ist sehr empfindlich, tagsüber bin ich sehr müde, weil ich nachts nicht schlafen kann.

Bei SSW 5+3 Hab ich mein Vitamin-B in der Klinik spielen lassen und bekam einen Ultraschall. Eine schöne Fruchthöhle zeigte sich und ein Dottersack ließ sich erahnen. Ich war zufrieden und glücklich. Nach und nach erfuhr mein Umfeld davon, ich konnte es nicht für mich behalten, war so stolz und glücklich.

Am Donnerstag, SSW 6+3 habe ich dann endlich den Papa informiert. Wir waren beide schockiert. Er über die Tatsache und ich über seine sehr extreme Reaktion. Mir war nun bewusst, es gab nur uns zwei. Mama und Pünktchen. Alleine. Alleinerziehend, mit meinem Wunschkind.

Der 24.5.19 sollte der erste offizielle Vorsorgetermin sein. Ich kam in die Praxis, sollte Urin abgeben, Blutdruck messen und auf die Waage. Im Behandlungszimmer lag schon mein Mutterpass bereit, wir gingen alles durch und er trug die ersten Daten ein. Ich war so aufgeregt, als es dann endlich zum Ultraschall ging. Ich schaute gespannt auf den Monitor, wo war die Fruchthöhle hin, da war nichts. Ich sah den Arzt an, dann wieder zum Bildschirm. Mir stiegen die Tränen in die Augen, es war so still und plötzlich der ersehnte kräftige Herzschlag.

Der Arzt schaute mich an und teilte mir mit, dass es eine intakte Eileiterschwangerschaft ist. Ich schrie, zitterte am ganzen Körper. Er sagte, das Baby hat da keine Chance und ich solle schnellstmöglich ins Krankenhaus, der Eileiter könne jeden Moment platzen. Ich fragte, ob man das Kleine nicht in die Gebärmutter schieben kann, es möchte doch leben, wenn es sich sogar dort zeitgerecht entwickelt hat. Doch meine letzte Hoffnung wurde genommen, soweit ist die Medizin noch nicht.

Nun musste ich funktionieren, Sachen packen, ins Krankenhaus fahren, Aufklärungen unterschreiben. Schon wurde ich in den OP geschoben. In meinen Ohren hörte ich das kleine pochende Herzchen. Ich werde auf den Operationstisch gelagert und mir laufen die Tränen. Flehte das Team an aufzuhören, ohne mein Baby möchte ich auch nicht leben. Es fühlte sich so falsch an, Pünktchen muss gehen, damit ich weiter weitermachen kann, dann schlief ich ein.

Die Ärztin sagte mir, ich könnte in ein paar Monaten erneut versuchen schwanger zu werden, schließlich ging das ja schnell. Ohne Mann, mein Traum war zerplatzt. Die gesichtete Fruchthöhle, war eine Pseudofruchthöhle, ist wohl selten, kommt aber vor, schiefgelaufen auf ganzer Linie.

Meine Mama kam, viele Freunde besuchten mich, ich weinte so gut wie ununterbrochen, es tat so weh. Nicht die Narben, nicht der Bauch, es war mein Herz. Mein Pünktchen wurde mir genommen.

Die kommenden Wochen waren geprägt von Trauer, Wut, Angst und absoluter Leere. Ich fuhr ans Meer, brauchte die Weite und das Meeresrauschen. Las viel, weinte, ging spazieren. Nach knapp vier Wochen bin ich wieder arbeiten gegangen, es lenkte mich ein bisschen ab. Traf Freunde, versuchte in Worte zu fassen wie es mir geht. Schlecht, denn ich habe mein Kind, meine Träume und meine Liebe verloren.

Woche um Woche verging, ich suche mir therapeutische Hilfe. Es gab Tage da hatte ich das Gefühl zu ersticken. Montags war immer Wochenwechsel, freitags war die OP und am 20.8.19 wurde mein Kleines mit 24 anderen Sternchen sammelbestattet.

4 Monate die mein Leben verändert haben liegen hinter mir. Ich habe gespürt wie tief Gefühle für ein kleines Lebewesen sein können und wie die Trauer einer Sternenmama belächelt wird. Es war früh und ja vielleicht wäre auch später etwas schiefgelaufen, es hätte aber auch einfach alles gut gehen können. Ich hatte auf ein positives Schicksal nach all dem Drama der Vergangenheit gehofft. Mein Umfeld scheint zu vergessen, das Leben der anderen geht weiter, meins auch, aber nie mehr wie es war. Es gibt ein davor und ein danach. Ich stecke noch mitten in der Trauer um meine verlorene Zukunft mit meinem Baby. Alles muss wieder neu geordnet werden, eine kräftezehrende Aufgabe, zu der mir oft die Energie und der Mut fehlt.

Ich bin eine Sternenmama. Pünktchen, ich hab dich lieb und werde dich nie vergessen …

Liebe Susanne @susundpuenktchen, danke für die Geschichte von Pünktchen. Es wird nie vergessen sein und immer auf dich herabschauen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s