Deine Geschichte · Folgewunder · Gastbeitrag

Meine zwei Igel-Kinder

Hallo Ihr lieben,

Unsere Geschichte über Frida – Dem Fuchsmädchen kennt ihr ha bereits.
Nun möchte ich Euch die Geschichte über unsere Igel – Kinder erzählen.

Es ist der 02. September und ich halte einen positiven Test in der Hand. Ich kanns kam glauben!
Schwanger nach solch einem harten Schicksalsschlag. Ist es zu früh für ein Kind? Sollte ich nicht lieber eine Trauer – Therapie machen? Ist es für Frida ok, dass ich ein neues Kind bekommen und sie Große Schwester wird? Mein Mann freute sich noch nicht, sondern er kann sowas erst glauben, wenn ich es bei einem Fachmann bestätigt bekomme.

Ich hatte 2 oder 3 Wochen später meinen ersten Termin bei einem neuen Arzt. Der ALLERBESTE Arzt, den ich je hatte. Der dürfte mir sogar Zähne ziehen!

Er untersuchte mich und machte im Anschluss einen Ultraschall. Und da sah man eine schöne Fruchthöhle. Er meinte auch, dass er evtl eine zweite gesehen hat, aber diese wäre so klein, dass er davon ausgeht, dass diese sich nicht weiterentwickelt. Jaja dachte ich mir. Ihr Wort ….! Für alles weitere war es noch zu früh und so sollte ich 2 Wochen später wieder kommen.

Nach 2 Wochen saß ich auf dem Stuhl und sah schon in den ersten Sekunden was Sache war. 2 kleine Erdbeeren, die fleißig mit ihren Herzchen durch meine Gebärmutter tanzen. Mein Kommentar dazu war nur „ SCHEISSE“! In dem Moment hätte ich am liebsten nur noch geheult, denn Zwillinge waren für mich das schlimmste. Alles doppelt kaufen, alles doppelt machen und doppelte Belastung. Da ich eh sehr labil bin und dem Tod von Frida teils noch nicht verarbeitet habe, konnte ich mich nicht freuen.

Da stand ich nun an der Bushaltestelle mit Tränen in den Augen und wünschte mir so sehr meine Frida herbei. Unser Plan war immer 1 Kind und 2 Hunde. Nun war es doch andersrum. 2 Kinder auf Erden, 1 Kind im Wunderwald und 1 Hund, der furzend auf dem Teppich liegt.

In der Zwischenzeit rief ich meinen Mann an und erzählte ihm, dass wir nun doppelt Eltern werden. Sein Kommentar war lediglich, „ Joa das schaffen wir auch noch“! Ich habe mit allem gerechnet, nur nicht damit.

Zuhause angekommen hab ich in Ruhe erst einmal gekocht – Essen geht immer! Es gab Spätzel mit Gulasch! Das weiß ich noch, denn nachts kams wieder raus.

Am gleichen Abend sind wir zu meinen Eltern gefahren und haben ihnen das Ultraschallbild gezeigt. Beide haben sich wahnsinnig gefreut, dass sie wieder Großeltern werden. Meine Mama schaute auf das Ultraschallbild …. guckte mich an und schaute dann wieder aufs Bild! SIND DAS ETWA ZWEI? Ja Mama, das sind Zwillinge! Mein Papa nur : Ach du große scheiße“ und musste lachen.
Im Anschluss haben wir es meinen Schwiegereltern gesagt.

Die Nacht war für mich sehr sehr schlimm. Ich habe die Nacht nur gebrochen und geweint, da der Schock doch ziemlich tief saß.
Mit der Zeit kam auch die Freude, aber natürlich auch die Sorgen / Gedanken. In der 9 SSW bekam ich Blutungen. Immer wieder schwallartig und so viel, dass wir ins Krankenhaus gefahren sind. Ich musste leider über Nacht bleiben.
Die Blutungen gingen weg, aber schonen war nun angesagt. In der 15 Schwangerschaftswoche habe ich mich für eine Cerclage und einen totalen Muttermundverschluss entschieden, da niemand wusste, wieso Frida in der 22 SSW kam. Der Muttermund ging einfach auf.
Die OP wurde gemacht und die Angst dadurch zum Glück weniger und somit war der Alltag für mich erträglicher.

Dadurch, dass ich eine Risikoschwangerschaft hatte, kam ich in den Genuss alle 2 Wochen meine beiden Erdbeeren zu sehen. Mein Bauchgefühl sagte mir schon recht früh, dass es ein Pärchen wird. So nannte ich sie Hanni & Manni.
In der 21 SSW hatte ich einen Termin zur Feindiagnostik und dort wurde mir bestätigt, dass es beiden super geht und ich mit meinem Gefühl recht hatte.

Es kam der 21.02.18 ( Mittwoch ) und somit Fridas erster Geburtstag / Todestag. Mein Mann und ich lagen beide flach mit Bronchitis. Wir konnte nicht zu ihrem Baum ( Ruheforst ) und daher ging es mir sehr sehr dreckig. Am Vormittag dann bemerkte ich unter der Dusche, dass ich häufig ein leichtes Ziehen im Unterleib spürte. Aber so schnell es kam, wars auch wieder vorbei. Doch irgendwann wurde es häufiger und stärker. Also ab zum Frauenarzt. Da meiner leider nicht da war, musste ich zum Kollegen. Muttermund zu, keine Trichterbildung, aber der Gebärmutterhals war nur auf 2,5cm.
Ab ans CTG! Nach 10 Minuten kam der Doc, schaute drauf und überwies mich leider ins Krankenhaus, da leichte Wehen zu sehen waren.
Joa, ab an den Wehenhemmer , Lungenreife – Spritze gesetzt & strenge Bettruhe.

Mittlerweile war die Bronchitis so stark, dass bei jedem Husten eine starke Wehe kam und mich fast zerrissen hätte. Diese Kombination war die Hölle – Dachte ich zu dem Zeitpunkt. Die Wehen wurden besser, aber dennoch hatte ich Schmerzen, die sich kein Arzt erklären konnte.
Freitags bekam ich leichte Blutungen, aber auch da wurde nichts gefunden. Also weiterhin das Bett hüten und hoffen, dass es weg geht.

25.02.18 ( Samstags )
Ich wurde so wie jeden Morgen zum CTG abgeholt und in den Kreißsaal gebracht. Ich hatte vermehrt leichte Schmerzen, die ich auch der Hebamme mitteilte. Das CTG zeigte kaum bis gar keine Wehen und auch da wusste niemand, was los war.
So lag ich 2 Stunden rund und versuchte meinen Mann zu erreichen. Er war mit Hund Gassi und trank in Ruhe Kaffee. Männer! Ich hab ihm mehrere böse Nachrichten geschrieben und am Ende verflucht, da ich wegen ihm mit Schmerzen im Kreisßsaal lag.

Die Schmerzen wurden trotz verschiedenen Mitteln nicht besser bis die Ärztin mich untersuchte, da sie es ziemlich merkwürdig fand. Ich konnte kaum noch richtig Atmen vor Schmerzen und weinte nur, weil ich solche Angst um meine Kinder hatte. Beim Ultraschall dann sah sie, dass ich eine Trichterbildung bis zur Cerlage hatte und informierte die Oberärztin. Diese schaute sich die Momentaufnahme des Ultraschalls an und teilte mir mit, dass die beiden nun geholt werden müssen.

Ich war doch erst bei 25 + 0 und somit nur 3 Wochen weiter wie bei Frida. Endlich war mein Mann auch da und konnte es nicht glauben. Er versuchte mich zu trösten und zu beruhigen, aber der Zug war abgefahren. Ich schrie vor Schmerzen und mir kam es ständig hoch. Die Oberärztin rief die ganze Zeit laute Sachen, es kamen gefühlt 10 Leute ständig rein und dann ging es mit der Hebamme und der Oberärztin in Richtig OP. Meinem Mann rief ich noch zu, dass er meine Mama anrufen soll.

Im OP angekommen war niemand da. Das Licht war aus, Narkosearzt und Schwestern waren alle noch nicht da. Ich lag auf dem kalten OP Tisch und hatte ständig einen solchen Schmerz, dass ich nur am Brüllen war. Diese Schmerzen waren so schlimm, dass ich Kreißlaufprobleme bekam. Zum Glück kamen die Narkoseärzte und versorgten mich mit Blutdruckmanschette und Zugang. Ich flehte den Arzt an, dass er mich endlich wegbeamen soll, da die Schmerzen mittlerweile unerträglich waren. Mir wars egal, wenn ich den Löffel abgegeben hätte, aber die Kinder sollten Leben.
Dann kam der Startschuss zum Wegbeamen! Ich sah links nur die Spritze mit dem Narkosemittel und dann war alles schwarz!

Als ich aufwachte, sah ich meinen Mann am Bett stehen, der mir etwas entgegenhielt, aber ich konnte es erst einmal nicht erkennen. Mit der Zeit kamen auch meine Augen zu mir und ich sah, dass es mein Sohn auf dem Handy war. Er sagte mir, dass beide leben und in den Inkubatoren liegen.

Als ich die Augen wieder öffnete, stand meine Mama weinend am Bett und streichelte mir meinen Arm.

Beim nächsten mal war alles still und ich sah nur eine große weiße Uhr an der Wand, die mir wahnsinnig auf den Nerv ging. Tick Tick Tick Tick …..
Doch dann kam der erste Husten und ich schrie vor lauter Schmerz so laut, dass 2 Pfleger reinkamen. Sie erzählten mir, dass ich auf der Intensivstation liege, da ich ins Koma verlegt wurde, da der Verdacht einer Embolie bestand. Ich hatte keine Embolie, sondern eine schlimme Bronchitis, die nicht weitergegeben wurde von der Wöchnerinnenstation.
Am nächsten Tag durfte ich auf die Station, aber nur wenn ich alleine zur Toilette gehe. Kann man auch gut sagen, wenn man von Becken zu Becken aufgeschnitten wurde.
Der Flur sah aus wie in einer Metzgerei, aber ich musste es ja nicht wegmachen : )

ich war so erleichtert als ich wieder auf Zimmer war, aber dann wurde mir bewusst, dass meine Kinder leben. Mittags fuhr ich mit meinem Mann auf die Kinderintensivstation und war total geschockt. Über diese kleine Wesen die dort in den Inkubatoren lagen. MEINE Kinder!

Edda 645gramm / 28cm
Ole 690gramm / 32cm

Die ersten Wochen waren grauenhaft. Die ganzen Maschinen, das Piepsen, die vielen Geräte, die Anspannung und die Angst. Die Angst, dass ein Anruf kommt, wenn wir Zuhause sind oder dass eins der Kinder stirbt, wenn ich dabei bin. Jeder Tag ohne Anruf war ein guter Tag.

Mit der Zeit wurden meine Kinder größer, schwerer und lebhafter. Jedes Kind hatte seinen eigenen Willen und schon Vorlieben. So liebte es Edda gerne auf dem Rücken zu liegen während sie gefüttert wurde und Ole liebte es, auf dem Bauch zu liegen. Das macht er heute noch gerne!

So kam es dann, dass wir nach schweren 20 Wochen das Krankenhaus mit unseren gesunden Kinder verlassen konnten. Beide Kinder sind sehr zierlich, sehr klein, aber sehr sehr wild, lebhaft und wahnsinnig lieb.

Heute sind beide 18 Monate / korrigierte 14 Monate alt und gesund.

Der Grund, weshalb alle 3 Kinder so früh kamen, ist eine sehr schwere Form der Muttermundschwäche. Ich kann aufgrund dessen nie Kinder bis zum Ende austragen. Aber nach all diesen Straphazen wollen und dürfen wir auch keine Kinder mehr bekommen. Man soll nicht mit dem Teufel spielen. Wir sind froh das Edda & Ole gesund sind & leben.

Liebe Anne @fuchskind2.0, danke für die Geschichte deiner zwei Igel. Wie beeindruckend sie alles gemeistert haben und noch immer meistern.

3 Kommentare zu „Meine zwei Igel-Kinder

  1. Es liest sich wie ein Thriller mit wunderschönem Ende!
    Tut gut sowas schönes zu lesen… alles Gute für die Familie 👨‍👩‍👧‍👦👼 🐕

    Liken

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