Gastbeitrag · Leben mit der Trauer

Was du genau tun kannst, wenn dir jemand von seiner Fehlgeburt erzählt

Nicht nur Betroffene brauchen Hilfe – auch Angehörige und Freunde sind meist überfordert, wenn sie von einer Fehlgeburt erfahren. Denn es ist immer noch ein Tabu-Thema (Einen weiteren Beitrag dazu, was Sterneneltern brauchen nach einem Verlust, findest du hier).

Das Unfassbare hören und begreifen

Wenn dir jemand erzählt „ich war schwanger“, bist du wahrscheinlich erst einmal ziemlich überfordert.

Es ist vielleicht unheimlich, gerade wenn du es nicht nachfühlen kannst. Vielleicht willst du auch gar nicht wissen, wie sich die betroffene Person gerade fühlt.

Vielleicht hast du selbst eigene Erfahrungen mit dem Verlust eines ungeborenen Kindes gemacht. Oder du kennst jemanden, dem es passiert ist. Vielleicht hast du auch das Glück, Elternteil von einem oder mehreren lebenden Kindern zu sein. Oder alles zusammen.

Meist hilft das alles trotzdem wenig, um angemessen damit umzugehen, wenn dir jemand erzählt, dass er oder sie gerade sein Baby verloren hat.

Wir werden alle darauf getrimmt, die Frühschwangerschaft geheim zu halten.

Nach der zwölften Woche atmen wir dann erleichtert auf und „dürfen von der Schwangerschaft erzählen“. Auch der terminologische Unterschied „Fötus“ vs. „Embryo“ unterstreicht und fördert dieses Verhalten. Wir halten es geheim, angeblich zum Schutz. Doch manchmal wird der Schmerz eines Verlustes dadurch nur noch größer und trennt uns.

Von euch.

Wenn eine „kleine Geburt“ stattfindet (es gibt auch weit weniger romantische Ausdrücke), sind wir selten wirklich darauf vorbereitet. Bis zu einem Viertel aller Schwangerschaften endet noch in den ersten Wochen. Ein Prozent verläuft weitaus tragischer, irgendwann zwischen der dreizehnten Woche und dem Geburtstermin. (Statistik. Hilft übrigens auch nicht.)

Was kannst du also tun, wenn dir jemand erzählt, dass er oder sie gerade ein Kind verloren hat?

Zuhören.

Aushalten.

Es wird dir vermutlich sehr schwer fallen. Das ist ok. Du möchtest vielleicht trösten. Das darfst du natürlich auch! 🙂 Aber versuch dabei, in der Situation zu bleiben und nicht gleich von dir oder anderen zu erzählen. Vor allem nicht von anderen.

Und wenn du denkst, du hast jetzt die Situation verstanden, fange erst recht an, zuzuhören.

Es hilft der betroffenen Person nicht zu hören, wie „normal“ dieser Verlust ist. Oder dass es irgendwann einfacher wird. Oder dass es schon irgendwann „klappen“ wird. Wenn du etwas erzählen möchtest, biete es an: „Möchtest du es hören?“ und akzeptiere ein Nein.

Vielleicht will sie es heute nicht hören, wird aber später auf dich zurückkommen. Jeder Mensch tickt anders, jede Trauer ist anders.

Das Ja zu dir als Mensch hast du schon bekommen, als die Person beschlossen hat, dir von ihrem Verlust zu erzählen. Würdige das. Es ist viel mehr, als die meisten bekommen.

Was deinem Gegenüber wirklich hilft, ist mit all den Gefühlen (oder auch ohne diese) einfach da sein zu können.

Was hinter der Trauer liegt

Wenn du es schaffst, wirklich zuzuhören, erfährst du vielleicht sogar etwas über das kleine Wesen, das ganz kurz auf dieser Erde war. Dann darfst an dieser besonderen Verbindung zwischen Baby und Mutter (oder Vater) teilhaben. Dann verwandelt sich diese unglaublich schwierige Situation für euch beide in ein Geschenk.

Liebe Nadine, vielen Dank für diesen sehr wertvollen Beitrag. Vielen Angehörigen hilft das bestimmt!

Ein Kommentar zu „Was du genau tun kannst, wenn dir jemand von seiner Fehlgeburt erzählt

  1. Oft will man einfach erzählen wie halt Mütter sind,Bilder zeigen ..oft erträgt man so wenig , so ist es oft das beste ,man sagt nix und hält die Hand ..man reicht Kaffee und Grosspackung kleenix .. wenn die Welt still steht und am Boden zerschellt ,aufstehen ist oft kaum möglich der Grund ist tot .Nachtaktivität gehört dazu , das warum ist oft schmerzhaft …was kann man tun ,vieles im presentsein als Zuhörer stiller Zuhörer mehr nicht ,und doch soviel für diese Mütter in ihrer Zeit

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