Deine Geschichte · Gastbeitrag

Mein Wunschkind

Mein Mann und ich sind nun seit 7,5 Jahren zusammen. Seit 5 Jahren besteht der Kinderwunsch. Wir dachten damals, es sei so einfach. Wir suchen uns erstmal neue Jobs, bzw er sich einen nach dem Studium und wir ziehen von unserer 40 qm Wohnung in eine größere. Mit Kinderzimmer, da wir ja bald ein Kind bekommen. Den Job und die Wohnung bekamen wir recht bald. Etwa 500km von der Familie entfernt in einer sehr schönen Stadt.

Das Kind blieb aus. Die Pille hatte ich schon viel früher abgesetzt, da ich sie nicht vertragen habe. Daher hatten wir damals die Vorstellung, dass ich sofort Schwanger werde, sobald wir nicht mehr (Kondom) verhüten. Es geschah nichts.

Die Frauenärztin stellte dann die Diagnose PCO, verschrieb Metformin und sagte ich soll, wenn ich Schwanger bin, wieder kommen. Es verging wieder Zeit. Zu viel Zeit. Ich wollte meinem Mann ja auch keinen Druck machen. Und ständig hörte ich auf die Aussagen : “ hab Geduld, es kommt wenns kommt, du machst dir nur zu viel Stress, fahrt doch Mal in den Urlaub“ Ja ich war fest davon überzeugt, dass es nur daran liegt, dass ich es mir so sehr wünsche. Ovulationstest, Nahrungsumstellung, trotz normaler Figur, abnehmen… steht ja immer überall, abnehmen soll helfen. Lowcarb, viel Sport…

Wir haben geheiratet. Einen Termin in der Kiwu-Klinik ausgemacht… Mussten darauf aber 6 Monate warten. Und wieder überall diese Sprüche, dass es nur daran liegt, dass ich mich zu sehr stresse. In der Klinik wurden wir untersucht, umfangreich, aber zwischen jeder einzelnen Untersuchung lagen Wochen. Dann gab es endlich ein Ergebnis. Es ist nur eine ICSI möglich. Wenn wir Schwanger werden wollen, müssen wir uns jetzt aber beeilen. Wir hatten den Urlaub gebucht und entschieden uns direkt nach dem Urlaub zu beginnen.

Im Herbst 2018 begann die Hormonstimulation, die ich zunächst sehr gut vertragen habe. Am Tag der Punktion ging es mir nicht mehr gut. Schon vorher hatte ich Schmerzen im Bauch. Die Ärztin sagte, es sei ganz normal. 15 Follikel konnten punktiert werden. Aber nur 3 waren reif. Hinterher ging es mir schlecht. Ich hatte starke Bauchschmerzen und Übelkeit. Die Ärztin sagte, das sei normal. Alle drei Eizellen konnten befruchtet werden. Wir waren so glücklich. 3 Embryos nach so vielen Jahren. 2 wurden eingefroren und eines sollte 2 Tage später eingesetzt werden.

Meine Schmerzen im Bauch wurden wieder ignoriert. 2 Tage später war mein Bauch angeschwollen und die Schmerzen unglaublich. Mein Mann fuhr mich in die Klinik, eine andere Ärztin untersuchte mich und stellte eine Überstimulation Grad 3 fest. Die nächsten Wochen verbrachte ich im Krankenhaus.

2 Wochen später war der Bluttest positiv. Ich war schwanger. Im Krankenhaus wurden täglich Ultraschall Untersuchungen gemacht und ich konnte ihr beim wachsen fast zuschauen. Wir waren die glücklichsten Eltern der Welt. Endlich ein Kind. Die Schmerzen hatten sich gelohnt.

Mein Bauch war gigantisch. 6 Liter freie Flüssigkeit im Bauchraum. Schlafen durfte ich nur noch im Sitzen. Auf Schmerzmittel habe ich möglichst verzichtet. Wollte meinem Baby doch nicht schaden. Ebenso auf eine Punktion des Wassers. Es hätte sie verletzen können. Nach 5 Wochen wurde es dann besser.

Zuhause verbrachte ich die nächsten Wochen meist auf dem Sofa. Noch 1,5 Wochen bekam ich täglich Infusionen und musste noch bis zur 12. Woche Heparin spritzen. Es war ganz egal. Unserem Baby ging es großartig. Sie war genau richtig entwickelt. Keine Auffälligkeiten. Im Ultraschall hat sie sich meistens kräftig bewegt.

Ab der 12. Woche ging es mir prächtig. Das Wasser war weg und die 12 Wochen endlich vorbei. Endlich keine Sorgen mehr machen müssen. Durch die engmaschige Untersuchung konnten wir auch beruhigt sein. Sie war gesund und lebhaft. Was soll denn nun schon passieren?

Der Nestbautrieb war bei meinem Mann fast noch größer als bei mir. Bett, Kinderwagen, Autositz. Er hat sich zu allem belesen. Testergebnisse verglichen. Recht schnell war alles da. Das Bett und den Kinderwagen hat er sofort aufgebaut. Voller Vorfreude bald seine Tochter darin liegen sehen zu können. Dann kam ein komisches Wochenende. Ich hatte Schule und hinterher starke Kopfschmerzen. Es hat dann stark gewittert. Ich liebte Gewitter. Wir waren gerade einkaufen und sind bei den letzten Blitzen und den letzten Regentropfen nach Hause gelaufen. Dieses Gewitter hat uns noch lange beschäftigt. Auch wenn es nicht sein kann, verbinden wir recht viel mit dem weiteren Geschehen.

Am nächsten Tag habe ich nicht bewusst darauf geachtet, ob ich sie spüre. Ich musste lernen. Am Montag war es ähnlich und am Dienstag war ich schon recht nervös. Ich überlegte, wann ich sie gespürt habe. So richtig deutlich. Es fiel mir nicht ein. Ich ließ ein Bad ein. (Nicht zu warm, um ihr nicht zu schaden). Beim Baden habe ich sie immer gespürt. Ich war beruhigt, da war eine Bewegung, zwar nur ganz zart, aber da war was.

Am Nachmittag hatte ich den Termin bei der Hebamme. Sie stellte erstmal die gleichen Fragen wie immer. Wie es mir geht, wie ich mich fühle usw. Großartig. Von der Angst am Morgen sagte ich nichts. War ja nur eingebildet, dass etwas nicht stimmt… Sie hörte die Herztöne ab. Jedenfalls versuchte sie es, aber auf der falschen Seite. Ich spürte deutlich, dass sie links, recht weit unten lag und die Hebamme hörte immer nur rechts. Dann links… Auch hier.. sie suchte und suchte und packte schließlich das Ultraschall Gerät aus.

Sie fand keine Herztöne.

Am nächsten Tag wäre Halbzeit gewesen.

Am nächsten Tag brachte ich meine Tochter, meine wunderschöne Tochter, die aussah wie ihr Papa zur Welt. Still.

Liebe @mein_kind_bei_den_sternen danke für Deine Geschichte. Deine Tochter wird nie vergessen sein!

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