Deine Geschichte · Gastbeitrag

Ein Brief an unsere Tochter LUISA

Liebe Luisa
Ich weiß noch ganz genau, wie groß die Freude war, als wir den positiven Schwangerschaftstest in unseren Händen hielten. Wir haben uns so sehr ein Geschwisterchen für unsere Tochter Lea gewünscht. Du du bist dann schneller zu uns gekommen, als wir erwartet hatten. Ich weiß noch wie ich mir dachte, wieviel Glück kann man denn haben.
Du hast dich gut entwickelt und bald spürte ich auch deine ersten Bewegungen! Ein unbeschreiblicher Moment! Auch deine Schwester konnte deine Tritte bald von außen spüren. Wir wussten alle – du bist ein starkes Mädchen!

Alles verlief gut bis wir im Jänner 2018 das Organscreening hatten. Ich hatte mir schon vor der Untersuchung gedacht, hoffentlich ist alles in Ordnung. Doch ich schob die Ängste gleich wieder zur Seite.

Da passierte das Schlimmste in unserem Leben. Die Ärtzin entdeckte bei der Untersuchung, dass dein Herz nicht richtig ausgebildet ist und ein paar andere Marker wiesen auf eine Krankheit hin. Wir standen alle unter Schock! Die Ärzte sahen sehr besorgt aus. Wir verstanden die Welt nicht mehr. Wie konnte das alles nur passieren! Wie führten viele Gespräche und die Ärtze legten uns eine Fruchtwasseruntersuchung nahe. Dein Papa und ich waren uns sofort einig, dass wir keine weiteren Untersuchungen machen wollen. Es wäre zu riskant für uns, dich dabei zu verletzen und dann gleich zu verlieren. Für uns war immer klar, wir nehmen dich so an, wie du zu uns kommen möchtest.
Ab diesem Zeitpunkt war nichts mehr wie vorher. Unser Leben hat sich komplett verändert. Du hast so stark in meinem Bauch umher getreten, sodass ich wusste, es war die richtige Entscheidung. Du wolltest zu uns kommen. Und du entscheidest, wann du gehen möchtest! Du hast mir in dieser schwierigen Zeit bis zur Geburt soviel Halt gegeben. Die Schwangerschaft verlief problemlos. Am 9. Mai 2018 erlebten wir eine wunderschöne Geburt. Keiner von den Ärtzen hatte geglaubt, dass du es so weit schaffen wirst! Aber du warst eine Kämpferin!
Du wurdest sofort auf die Intensivstation gebracht. Das war besonders schlimm für uns, aber wir wussten, es musste sein, damit du gut versorgt wirst! Wir verbrachten jede freie Sekunde mit dir! 3 Tage später war die Diagnose da – du hattest Trisomie 13! Wir konnten es nicht glauben. Wir wussten, was das bedeutete! Du warst schwer krank und hattest kaum eine Überlebenschance! Ab diesem Zeitpunkt änderte sich alles für uns:
Wir lebten im hier und jetzt und verbrachten jede freie Minute mit dir! Wir lebten wie in einer Blase. Nichts existierte in dem Moment, als die Zeit mit dir im Krankenhaus! Du hast so gekämpft, um zu uns zu kommen und darum wollten wir dir in dieser kurzen Zeit einfach wunderschöne Momente schenken! Wir haben mit dir die ganze Zeit gekuschelt, dich gebadet, dich massiert und alle Freunde und Verwandten konnten dich kennen lernen. Einfach unbeschreibliche Momente die uns keiner mehr nehmen kann!!! Du hast soviel Ruhe und Stärke ausgestrahlt. Jeder war verzaubert von dir!
Wir gestalteten eine ganz persönliche Taufe für dich. Deine große Schwester tanzte mit Oma zu dem Lied „Schwesterchen komm tanz mit mir“. Dein Opa ist Musikant und brachte seine eigene Musik mit! Unser Pfarrer aus unserem Ort nahm sich extra Zeit für dich und kam ins Krankenhaus um dich zu taufen! Es war eine Feier nur für dich Luisa! Alle haben geweint! Es war sehr emotional und sehr schön!
Ich führte gleich zu Beginn ein Tagebuch, wo ich alles hineinschrieb, was wir jeden Tag mit dir erleben durften! Ich wollte kein einziges Detail vergessen! Am Mittwoch, 23. Mai 2018 bist du in unserem Armen eingeschlafen! Diesen Moment kann man nicht beschreiben! Es war so schwer für uns, dich gehen zu lassen Luisa! Wir wollten das deine Seele frei ist. Es war richtig für Dich und nur das zählte in diesem Moment!
Das ist deine Geschichte Luisa! Aber nein stimmt nicht, deine Geschichte geht immer noch weiter…..
Denn du lebst in all unseren Erinnerungen und im Herzen weiter. Deine Geschichte hat in unserem Ort solche Wellen geschlagen. Jeder Gedanke, jedes Wort über dich hält dich am Leben! Wir sind so unendlich stolz deine Eltern zu sein!
Wir haben unseren eigenen Weg entwickelt, mit deinem Verlust umzugehen. Uns ist sehr wichtig dich in unserem Alltag zu integrieren. So hatte deine Oma eine tolle Idee:
Wir bauten dir eine eigenen Blumenwiese in unserem Garten. Jetzt haben wir im Frühling immer frische Blumen für dein Erdenbettchen! Deine Schwester hilft beim Gießen und Pflegen. Etwas für dich zu gestalten hilft uns sehr! Sowie das selbstgestaltete Fotobuch mit all den Tagebucheinträgen ist ein besonderes Erinngerungsstück an dich! Das kann uns keiner mehr nehmen!
Wir sind dankbar für jede Sekunde, die wir mit dir hatten! Luisa, du hast uns gezeigt, was wichtig ist im Leben und dass wir dankbar sein können, für das was wir haben! Und was haben wir:
Wir haben deine Schwester an unsere Hand, DICH in unseren Herzen und deinen Bruder unter meinen Herzen in meinem Bauch!!! DANKE LUISA!

Liebe Daniela @d.a.n.i.e.l.a.p für Luisas Geschichte. Ihr seid unfassbar starke Eltern und Luisa wird niemals vergessen sein!

6 Kommentare zu „Ein Brief an unsere Tochter LUISA

    1. Oh das hätten wir uns auch gewünscht das doch alles ok ist mit unserer Maus 😢… die lange Ungewissheit in der Schwangerschaft ist schwer auszuhalten….😐

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      1. Ja das stimmt. Aber wenn ein Kind (Wie bei uns) in der 35. ssw gehen muss, weil einfach das Herz aufgehört hat zu schlagen und der Befund dann Befundslos ist, hat man keine Antwort auf das warum. Vielleicht ein plötzlicher Kindstot…

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  1. Liebe Susansaranda!
    Oh das tut mir leid…nicht zu wissen warum euer Zwerg gehen musste stelle ich mir auch ganz schwer vor !!! Leider bekommt man nie eine Antwort auf das „warum“ 😢

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