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62 Stunden schwanger

Januar, ich hatte gefastet, neues Jahr neues Glück, das erste Jahr seit Marie in das ich mit einem Lächeln gestartet bin. Das Baby was wir uns so sehnlichst gewünscht hatten nach Marie war gesund, glücklich und ein echtes Traumbaby, unsere Beziehung wieder so wie eine Beziehung sein sollte, die mich sowohl als Frau, als Partnerin aber auch als Mutter glücklich machte. Das Thema nach einem zweiten Kind an der Hand kam auf und wir waren uns sicher, ja wir möchten noch ein weiteres lebendes Baby an der Hand. Wir sprachen darüber, dass ich mein AVA Armband mal suchen sollte, das mit dem Umzug irgendwie verschüttet worden war und plötzlich spürte ich dieses Ziehen im Unterleib, jeden Tag intensiver, mein Brüste schmerzten obwohl ich ja bereits abgestillt hatte und  ich fragte mich ob es wohl frühe Vorzeichen der Periode waren oder vielleicht sogar schwanger… Abwegig eigentlich, denn nach einer starken Untereleibsentzündung im Dezember hieß es zunächst, dass ich keine Kinder mehr bekommen kann, auch wenn wir nicht so recht daran glaubten. Wir dachten es würde einfach wie bei letzten nur etwas dauern… doch dann kam Übelkeit dazu und meine Nase wurde sensibel. Ich rechnete den ET aus. 12.10. Das war Maries ET.

Mein Herz wurde weit und ich hätte die Welt umarmen können, mein Mädchen, mein Mamakind, mein erstes…dann die Tests, da war ein Strich, zart, hauchfein… nach zwei Tagen war er immer noch da. Aber in mir kippte die Stimmung, irgendetwas stimmte nicht und das Wissen tat weh, aber der digitale Test sagte nun auch eindeutig „schwanger“. Am nächsten Tag bekam ich Blutungen. Keine Marie für mich. Die Schwangerschaft war vorbei, frühe Fehlgeburt.

Ich bin zwiegespalten, denn es ist irgendwie okay. Auf der einen Seite heißt es definitiv wir können schwanger werden, es geht. Es heißt, dass  Marie weiter für sich stehen darf aber hätte ich mir ein Kind mit diesem ET gewünscht? Ja! Es wäre ein „Entschuldigung“ vom Leben gewesen, es tut weh, aber besser dieses Mal früh als spät,das kann ich mit Gewissheit sagen.

Und doch wird wieder eins klar. Grade die frühen Fehlgeburten sind ein Tabuthema. Grade mal 4 Leute in meinem Umfeld wissen überhaupt, dass es diese Schwangerschaft gab. Zu feige, zu müde, keine Lust darüber zu reden.. keine Lust auf das „dann sollte es einfach nicht sein“. Ich war schwanger und nun bin ich es nicht mehr. Gerne würde ich darüber offen reden können in meinem privaten Umfeld aber ich habe für diesen Kampf keine Kraft im Moment und doch, finde ich das grade frühe Fehlgeburten genauso zählen. Eine Mutter, die ich kenne, die 6 frühe Abgänge hatte, die wurde 6 mal vom Leben gebeutelt und hört nicht viel mehr als „naja soll vielleicht nicht sein“, „entspann dich einfach“, „dann hat halt etwas nicht gestimmt“, „sei froh, das war nur ein Zellhaufen“ Aber wir alle die am Leben sind, für uns alle hat das Leben als genau dieser angeblich so wertlos Zellhaufen begonnen. Also mach ich vielleicht einfach den Anfang und sage hiermit: Ich hatte eine frühe Fehlgeburt, sie macht mich nicht unfraulicher, nicht wertloser, nicht unmütterlicher. Es heißt nicht, ich soll keine Kinder bekommen und ja es trifft mich.

In aller Liebe für das Leben, dass einfach zu kurz war…

 

2 Kommentare zu „62 Stunden schwanger

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