Deine Geschichte · Gastbeitrag

Elisas Geschichte

2013 entschieden mein Mann und ich uns, dass wir gerne zusammen eine Familie gründen möchten. Im Juli 2014 hielt ich dann endlich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Dies war 3 Monate vor unserer kirchlichen Trauung.

Die Schwangerschaft war ein Traum. Kaum Wehwehchen, nur leider sehr wenige Kindsbewegungen. Ich hatte eine Vorderwandplazenta und spürte die Kleine daher nicht so viel und im Allgemeinen war sie auch eher eine von der ruhigeren Sorte.

Noch heute frage ich mich, ob das vielleicht ein Zeichen dafür war, dass etwas nicht stimmt.

Ihr Entbindungstermin sollte der 23.3.2015 sein.

In der Woche vom 9.3 hatte ich immer wieder Wehen und wir wussten, dass es wohl bald los gehen würde.

Am 14.3 wurden die Wehen immer regelmäßiger und wir machten noch einen langen Spaziergang. Am Abend musste ich die Wehen schließlich schon ziemlich veratmen.
Irgendwann gegen 21 Uhr dachte ich, dass mir die Fruchtblase geplatzt sei und als ich ins Bad ging, war da viel Blut. Allerdings altes, sodass ich erstmal meine Hebamme anrief und die mir riet ins Krankenhaus zu fahren.

Im Krankenhaus angekommen, wurde ein US gemacht und nach dem Muttermund geschaut. Alles sah gut aus und die Blutung kam wohl durch die Öffnung des Muttermundes. Wir sollten das Krankenhaus aber nicht mehr ohne unser Mädchen verlassen. Das alles anders kommen würde, ahnten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Es wurden in der Nacht diverse CTG geschrieben, in denen die Kleine immer geschlafen hat. Aber das war für uns nichts Neues.

Morgens beim Frühstück hatte ich dann alle 5min Wehen und nach einer Wehe merkte ich, wie mir Flüssigkeit die Beine herunter lief. Auch da dachte ich wieder an Fruchtwasser. Als ich an mir runter schaute, war jedoch plötzlich alles rot.

In mir kam Panik auf.

Mein Mann rannte sofort auf den Flur und traf dort sofort den Arzt an. Dieser nahm uns direkt mit zum US und versuchte uns auf dem Weg noch zu beruhigen. Als er das Herzchen unserer kleinen Maus fand, rief er sofort einen Notkaiserschnitt aus. Es war gerade Schichtwechsel, wodurch 2 komplette Teams anwesend waren und nicht noch ewig auf die Hebamme etc. gewartet werden musste.

Das Herz unserer Maus schlug zu dem Zeitpunkt wohl nur noch sehr langsam.

Ich lag weinend auf der Liege und meinte nur zu meinem Mann, dass ich doch keinen Kaiserschnitt wollte (wie dämlich, aber in dem Moment war mir der Ernst der Lage nicht bewusst, ich hatte aber auch nicht gesehen, was mein Mann und der Arzt auf dem US gesehen hatten).

Ich weiß noch, dass ich merkte, wie mich die Kleine trat. Dies muss ihre letzte Bewegung gewesen sein. Wenn ich daran denke, kommen mir wieder die Tränen.

Noch auf dem OP-Tisch fragte mich die Hebamme, ob ich die Kleine spürte. Das verneinte ich. Und dann war ich auch schon weg.

Zwischen meiner Blutung und dem Zeitpunkt, dass Elisa da war, lagen 11 Minuten. 11 Minuten sind unglaublich schnell und trotzdem konnten sie unser kleines Mädchen nicht retten.

Während ich in Narkose war, versuchten sie die Maus 28min zu reanimieren. Mein Mann war in der Zeit ganz alleine im Kreißsaal. Zwischendurch kam die Hebamme zu ihm und teilte ihm mit, wie schlimm es um die Kleine steht und dass die nächsten Minuten ausschlaggebend seien.

Als ich aufwachte, fragte ich sofort nach Elisa. 2 Mal sagte man mir, man wüsste es nicht. Beim 3. Mal war die Hebamme an meiner Seite und teilte mir mit, dass mein kleines großes Mädchen es leider nicht geschafft hat. Und auch jetzt laufen die Tränen wieder über mein Gesicht, wenn ich an diesen Satz denke. Ich weiß noch den genauen Wortlaut: Es tut mir Leid Frau H., Ihr kleines Mädchen hat es nicht geschafft.

Ich glaube, es war noch nie jemand aus einer Vollnarkose so schnell wach, wie ich in dem Moment.

Dann wurde ich auch schon in einen Raum geschoben, in dem mein Mann bereits mit unsere Tochter auf dem Arm saß. Ich habe ihn noch nie im Leben so traurig und niedergeschmettert erlebt.

Wir waren nun Mama und Papa…..auf eine ganz andere Art und Weise, als wir sie uns erhofft hatten.

Die Ursache? Vermutliche Lösung der Plazenta unter den Wehen….. Passiert ganz selten und so akut hatten sie es in dem Krankenhaus auch noch nie.

Sie war so perfekt. Die ganze Zeit hoffte ich, dass sie wieder anfängt zu atmen und das ganze nur ein Traum ist.

Während ich noch im OP war, hatten mein Mann und eine Ärztin bereits unseren Pfarrer benachrichtigt. Die schwersten Anrufe standen uns aber noch bevor. Wie sagt man seinen eigenen Eltern, dass das Enkelkind gerade verstorben ist? Sie sollten die Kleine ja auch kennenlernen, hatten aber eine lange Fahrt von über 5h bis zu uns auf sich. Auch meine Eltern habe ich noch nie so erlebt. Es war das schlimmste, was wir alle als Familie durchmachen mussten.

Wir hatten die kleine Maus dann über 24h bei uns. Sie wurde gesegnet, wir haben viele Fotos gemacht und jeder durfte Mal mit ihr kuscheln.

Die Schwestern, Hebammen und Ärzte aus dem Krankenhaus kamen immer wieder zu uns ins Zimmer (wir lagen nicht auf der Wöchnerinnenstation, sondern auf der Gynäkologischen) und führten lange Gespräche mit uns. Sie ermöglichten uns einen unglaublich guten Start in die Verarbeitung des Todes unserer Tochter.

Unser Regenbogen wurde schließlich vor 10 Monaten im gleichen Krankenhaus per Wunschkaiserschnitt vom gleichen Arzt geholt. Das war mein absoluter Wunsch, denn wir wurden dort wirklich toll betreut und mit dem Arzt stehen wir bis heute in engem Kontakt.

Liebe Jana @regenbogenmom danke, dass Du Elisas Geschichte mit uns teilst. Sie wird niemals vergessen sein!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s