Allgemein · Leben mit der Trauer

Das 1×1 des Todes

Es gibt ein slawisches Sprichwort, da heißt es:“ Es sind die Lebenden, die den Toten die Augen schließen. Es sind die Toten, die den Lebenden die Augen öffnen.“.

So viel Negatives wird über den Tod gesagt und geschrieben, dabei ist er die einzige Sicherheit die uns das Leben gibt. Die einzige Sache bei der wir nicht nachdenken müssen. So unsicher das Leben ist, so sicher ist der Tod. Und ja, der Tod meiner Tochter der hat mir die Augen geöffnet. Plötzlich sah ich, dass der Tod nicht das Ende ist. Der Tod hat mir nicht meine Tochter genommen, es war die Krankheit. Der Tod war für mich ihre Erlösung von Leid und dafür bin ich dem Tod dankbar.

So oft wird der Tod als hinterlistig dargestellt, als Dieb, als Räuber des Lebens. Auch bei Unfällen… es war der Tod der ihn aus dem Leben gerissen hat… aber war es nicht viel mehr der Unfall?

Auch bei Marie war es die Krankheit und nicht der Tod der sie mir genommen hat. Nie in meinem Leben habe ich so etwas perfektes gesehen wie ihr friedliches Gesicht. Es  war so sanft, so unendlich zart und frei. Frei von allem Schmerz, frei von allem was ich nicht für mein Mädchen wollte. Was das Leben ihr verwehrt hat, hat der Tod ihr gegeben: die Freiheit. Und noch etwas konnte ich sehen. Die Liebe. Ich war 25 Jahre als ich Mama wurde und seit einer Woche 26 beim Tod meiner Tochter. Ich wusste nicht wirklich viel über die Liebe, aber seit diesem Tag, da fühle ich, da sehe ich. Diese bedingungslose Liebe kannte ich davor nicht, dieses Gefühl als ich mein Kind in den Armen hielt, meine Marie, das war wohl das schönste was ich bin zu diesem Zeitpunkt erleben durfte.

Ihre Krankheit hat mich älter gemacht, ich habe schlagartig graue Haare bekommen, aber ihr Tod hat mich sanfter gemacht, mich wachsen lassen. Ich weiß, dass diese Einsicht oft Zeit braucht, eine frische Sternenmama die trauert, da ist die Wut, der Schmerz, der Verlust, diese unbändige Trauer. Aber früher oder später wird unter der Gleichung eines  auftauchen, eins wird sichtbar werden: die Liebe. Denn eine Mutter unterscheidet nicht zwischen ihren Kindern, sie liebt sie, egal ob lebend oder tot.

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