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Ein Brief an den Tod

Hallo Tod,

Ich schreibe dir weil ich sauer auf dich bin! Und ich meine dass nicht weil ich dich generell hasse, du hast ja durchaus deine „da-seins-berechtigung“ Aber in den letzten Monaten hast du und dieser Herr Schicksal mächtig bei mir verschissen!

Ich kann verstehen dass alte Menschen sterben, irgendwie machte das für mich immer schon Sinn. Logisch wir haben hier nur begrenzten Platz und irgendwann ist ein Mensch einfach zu alt und gebrechlich. Alles OK für mich…aber für eine Sache hätte ich dann doch gerne eine Erklärung:

WARUM MÜSSEN KINDER STERBEN?

Warum hast du dir unser Mädchen ausgesucht?

Ich weiß du bist ein stiller Zeitgenosse und wirst dir nicht die Blöße geben und mir antworten aber ich wünsche es mir jeden Tag.

Ich schaffe es einfach nicht dein Handeln zu verstehen! Es ist macht einfach keinen Sinn, einen winzig kleinen Menschen das Leben nicht zu gönnen. Du hast doch sicherlich gesehen mit welcher Liebe und Freude unser Mädchen hier erwartet wurde. Sie hätte es gut bei uns gehabt und wäre behütet groß geworden. Sicher wir hätten bestimmt auch mal Fehler gemacht, aber das passiert uns Menschen ab und zu, ohne dass wir es böse meinen. Ich möchte auch nicht behaupten ein perfekter Mensch zu sein und deiner nicht würdig zu sein oder so ein Mist, aber ich dachte wirklich wir wären cool miteinander und du würdest irgendwann an meiner Tür klopfen und mich freundlich bitten mitzukommen. Stattdessen suchst du dir ein offenes Fenster, eine sensible Stelle in unseren Herzen und schickst das Schicksal vor. Ein Schlag von ihm ins Gesicht und schon ist plötzlich alles anders. Da stehst du nun mitten in unserem sicheren Heim und grinst uns dreckig ins Gesicht.

Dann wagst du es dich tatsächlich dir meine Tochter zuschnappen und sie in den Himmel zu entführen ohne dass ich ihr auch nur einmal in die Augen sehen konnte und ihr sagen konnte wie sehr ich sie liebe.

Du wusstest scheinbar genau was du da angerichtet hast, denn kaum warst du mit ihr verschwunden schickst du uns die Trauer.

Auch sie hat das selbe unverschämte Benehmen wie du und klopft nicht an. Sie nimmt das selbe Fenster durch dass das Schicksal und du eingebrochen seid und setzt sich zu uns. Am Anfang war es noch so dass sie uns auf jeden Schritt folgte, selbst auf der Toilette hatte man keine Ruhe vor ihr !

Mit den Wochen und Monaten ist sie grundsätzlich etwas stiller geworden, aber es gibt Tage da lässt sie ihr unverschämtes Benehmen wieder mal so richtig raushängen. Oft provoziert sie uns und treibt es so weit bis einer von uns sich in voller Wut und Traurigkeit verliert. Als wäre sie irgendwie eifersüchtig und wolle einen Keil zwischen uns treiben. Aber das schafft sie nicht! Das kannst du ihr aber auch gerne noch einmal ausrichten.

Meine Wut zu dir werde ich wohl niemals los und ändern kann ich dich auch nicht.  Aber lass uns einen Packt schließen.

Du redest mal mit dem Herrn Schicksal und dem Fräulein Trauer und ihr lasst uns für die nächste Zeit einfach mal etwas in Ruhe damit wir durchatmen können. Uns ist ja bekannt das Fräulein Trauer schon mit Sack und Pack bei uns eingezogen ist, aber vielleicht können wir uns ja auf ein Stilles Zusammenleben einigen. Ich werde mir größte Mühe geben sie nicht zu vernachlässigen, ich würde nur gerne selbst entscheiden wann und wie wir uns treffen. Lasst uns wenigstens versuchen ein normales Leben zu führen.

Ich weiß dass ist ganz schön viel was ich da verlange aber im Gegenzug dazu werde ich friedlich deine Hand nehmen wenn du an meine Tür klopfst und mit dir zu meinem Mädchen gehen.

Nicht morgen und auch nicht in den nächsten Wochen. Am liebsten als alte Frau die ihre weiteren Kinder und Enkelkinder noch erleben darf.

Du musst dann auch nicht das Schicksal um Hilfe bitten denn ich werde keinen Wiederstand leisten. Aber das Fräulein Trauer solltest du meiner Familie dann bitte doch noch einmal schicken. Ich werde ihnen beibringen wie sie mit ihr umgehen sollen und wie sie zusammen leben können .

Jetzt gerade frage ich mich wie man sich vom Tod verabschiedet… ich würde jetzt einfach mal sagen „bis dann !“

2 Kommentare zu „Ein Brief an den Tod

  1. Hallo rehmädchensmama!
    Du sprichst mir aus der Seele! So einen anschiss hat der Tod wirklich verdient! Auch mir hat der plötzliche Kindstod mein Kind noch im Mutterleib genommen…meinen zweiten Sohn, am 04.08.2018, 10 Tage vor ET, ohne Vorankündigung, einfach so… Wie konnte er das nur tun?! Wie soll ich das jemals akzeptieren?!… Ich hoffe jedenfalls, dass der Tod uns nun zukünftig auch erstmal in Ruhe lässt. Wir haben mit Fräulein Trauer ebenfalls genug zu tun!

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