Deine Geschichte · Gastbeitrag

Sternenkind Sascha

Mein name ist Mary, ich bin 33 und komme aus dem Bergischen. Im Sommer 2014 beschlossen mein Freund und ich eine Familie zu gründen. Wir wollten den nächsten Schritt in unserer Beziehung gehen und ich schaute voll freudiger Erwartung in die Zukunft.

Relativ schnell hielten wir den positiven Schwangerschaftstest wenige Monate später im Oktober in der Hand und im November sollte ich das erste Mal das Herz unseres Kindes schlagen sehen. Für mich, für die das alles neu war, ein unbeschreibliches Gefühl. Unsere Familie weihten wir (noch) nicht ein. Es sollte eine Überraschung zu Weihnachten werden.

Dein Geburtstermin sollte der 03. Juli 2015 sein. Mitten im Sommer.

Auf Arbeit hingegen gab ich die Schwangerschaft bekannt. Immerhin hatte ich das Herz unseres Kindes schlagen sehen – und überall stand geschrieben, dass die Wahrscheinlichkeit, dass nun noch etwas passieren könne, sehr gering sei.

Wenige Tage später sollten wir eines Besseren belehrt werden. Ich erinnere mich an den Tag, als sei es gestern gewesen. Es war der 02. Dezember 2014 und auf Arbeit hatte ich eine Schmierblutung entdeckt. Ich sagte meinem Chef mir ginge es nicht gut und fragte, ob ich früher nach Hause gehen könne. Noch auf dem Weg zur Bahn rief ich meinen Freund an und erzählte ihm mit brüchiger Stimme von der Blutung. Noch heute bricht mir das Herz, wenn ich lese, dass dunkles Blut während einer Schwangerschaft nicht schlimm sei. Frisches, helles Blut müsse einem Sorgen machen.

Mein Freund holte mich an der Bahnstation ab und wir fuhren gemeinsam ins Krankenhaus. Nach einer Ewigkeit hatte endlich eine Ärztin Zeit für uns (dabei waren es nur knappe 3 Stunden, die wir warten mussten und das direkt vor dem Kreißsaal. Wir wurden mit neugeborenen Leben konfrontiert während wir um das Leben unseres Kindes bangten). Ein junges Mädchen regte sich sogar noch darüber auf, dass sie ebenfalls lange warten müsse – um sich die Pille danach verschreiben zu lassen.

Als eine schlecht Deutsch sprechende Ärztin dann Zeit für uns hatte und einen Ultraschall vornahm, sah ich bereits bevor die Ärztin auch nur ein einziges Wort sagen konnte, dass kein Herzschlag mehr zu sehen war. Meine Welt blieb stehen. Ich fiel ins Bodenlose. Wäre mein Freund nicht an meiner Seite gewesen, ich weiß nicht was ich gemacht hätte. So nahm ich alles wie in Watte gepackt wahr. Wir fuhren nach Hause, versuchten so etwas wie Normalität zu bewahren. Wir bestellten uns Pizza beim Pizzadienst und noch heute (4 Jahre nach diesem Schock) muss ich bei jeder bestellten Pizza an diesen Abend denken.

Am nächsten Tag ging ich zu meiner Frauenärztin und wir entschieden gemeinsam, dass ich keine Ausschabung vornehmen lassen würde, sondern die Natur das fortsetzen lassen wollte, was sie bereits begonnen hatte. Sie bestätigte noch einmal den Missed Abort und sagte mir, dass das Herz unseres Kindes bereits 2 Wochen zuvor in der 8. Schwangerschaftswoche stehen blieb.

1 Tag später verlor ich unser erstes Kind, welchem wir später den Namen Sascha gaben, zuhause. Dort verkroch ich mich die nächsten Tage und Wochen nach diesem „Missed Abort“ und das Leben zog an mir vorbei. Noch heute fehlen mir die Erinnerungen an diese Tage. Bekannte und Freunde versuchten mich zu erreichen, woran ich mich teilweise gar nicht mehr erinnern kann. Nur eines weiß ich noch genau: wochenlang saß ich morgens in der Badewanne und weinte um unser totes Kind.

Da wir Sascha zuhause verloren, gibt es für uns keinen Ort zum trauern, keinen Ort an den wir gehen können. Wir tragen unser Kind im Herzen. Die einzige sichtbare Erinnerung sind das erste Ultraschallfoto unseres Kindes und der Mutterpass, den ich damals recht früh bekam. Damals hofften wir noch, dass der Verlust unseres ersten Kindes ein trauriger schicksalhafter Einzelfall sein würde. Diese Hoffnung sollte sich jedoch viel später als völlig falsch herausstellen. Wir haben unser Kind hinterher beim zuständigen Standesamt in Köln als existend bescheinigen lassen und ihm damit öffentlich einen Namen gegeben.

Lange Zeit wussten unsere Familien nichts von der Schwangerschaft und dem Kind welches wir verloren. Erst nach knapp 1 Jahr begannen wir darüber zu reden und es zeigte sich, dass dieses Schweigen über die Fehlgeburt das fatalste für meine Seele gewesen ist.

Mit der Geschichte über mein Sternenkind Sascha möchte ich anderen Sterneneltern zeigen, dass ihr nicht alleine seid. Ihr seid nicht alleine mit Eurem Schmerz, Eurer Trauer und eurer Hoffnung. Leider sind wir viele, viel mehr als wir uns am Anfang unserer glücklichen Schwangerschaft je hätten vor stellen können.

Danke liebe Mary Graupner @Marylou21.01 für Saschas Geschichte. Er wird niemals vergessen sein!

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