Deine Geschichte · Diagnose · Gastbeitrag

Hanna

13.9.2016 : endlich hielt ich den langersehnten positiven Schwangerschaftstest in meinem Händen. Mein Freund und ich waren unfassbar glücklich und absolut optimistisch, dass alles gut gehen würde. Nachdem uns der Gyn die intakte Schwangerschaft in der 8SSW bestätigte,sah ich keinen Anlass diese noch geheim zu halten.

Ende November war das 1.Trimester Screening. Der Tag an dem die Erde das erste Mal für uns still stand. „Frau W. Herr S….ihr Baby wird die Schwangerschaft sehr wahrscheinlich nicht überleben, ich rate Ihnen zu einem Abbruch. Ihr Baby leidet an einem Hygroma Colli.“ Es folgte die Überweisung zur Pränataldiagnostik in Freiburg. 1 verdammte lange Woche bis zum Termin.

Dieser Schmerz und die Verzweiflung waren kaum auszuhalten,wir fühlten uns apathisch,leer und hatten furchtbare Angst.

5. Dezember: Der 1. Termin bei der Spezialistin. Es war keine lange Untersuchung ihrerseits nötig…auch als Laie war das Hygroma Colli nicht zu übersehen. Uns schnürte sich die Kehle zu. Es bestand minimal Hoffnung, doch auch die Spezialistin riet uns realistisch zu sein. Sie äusserte gleich ihre Verdachtsdiagnose: Ullrich-Turner-Syndrom. Sie klärte uns auf,doch sie sagte uns nichts, was wir hören wollten. Zuhause wurde das komplette Internet durchforstet. Lähmende Ernüchterung.

13.12. Fruchtwasserpunktion,eine Untersuchung die ich niemandem wünsche. Hier wurde festgestellt, dass unser Baby bereits Ödeme an Händen und Beinen hat, Wasser auf der Lunge, im Bauchraum und einen fehlgebildeten Nieren-Harnweg. Ein Hydrops Fetalis hatte sich entwickelt und die Wasseransammlung am Kopf hatte ebenfalls zugenommen. Die Chancen schwanden immer mehr, diesen Kampf zu gewinnen.

3 Tage später bekamen wir beim Humangenetiker die Ergebnisse des FISH-Testes. Dieser bestätigte die Diagnose unserer Ärztin: Ulrich Turner Syndrom, nicht lebensfähig.

Alle Hoffnungen waren zerstört. Man stellte uns frei, ob wir abbrechen oder warten möchten, bis unsere Tochter die Kraft verlässt. Wir wollten warten. Ich wollte keinesfalls abbrechen, weil ich irgendwo doch noch hoffte.

Zwischen Weihnachten und Neujahr hatte sich ihr Zustand massiv verschlechtert, es waren kaum noch Konturen eines menschlichen Körpers zu erkennen. Mein Bauch fing an zu wachsen und ich konnte ihn nur noch schwer verstecken. 2 mal durfte ich unsere kleine Heldin spüren, dann entschieden wir uns, sie gehen zu lassen.

Am 2.1.2017 kamen wir in die Klinik, mein Mann blieb Tag und Nacht mit mir dort. Am Abend wurde mit Tabletten die Einleitung begonnen. Am 5.1.2017 um 20:18Uhr hörte die Welt endgültig auf sich zu drehen. Unsere Tochter Hanna kam still, in ihrer geschlossenen, unversehrten Fruchtblase zur Welt. Die Hebammen im Kreißsaal waren sehr einfühlsam. Es wurden Hand-und Fußabdrücke von ihr genommen sowie wunderschöne Fotos gemacht. Mein Mann verabschiedete sich von ihr während ich in den OP zur Ausschabung kam. Ich habe es leider nicht übers Herz gebracht meine Tochter so zu sehen, aus Angst ich würde es dann nie verkraften und nie loslassen können.

Es vergeht kein Tag an dem ich nicht an sie denke und bereue, dass ich sie nicht doch in den Arm genommen habe. Papa war stark, Papa konnte dir die Liebe von uns beiden auf deine Reise mitgeben. Hanna wir lieben dich unendlich und vermissen dich jede Sekunde. Danke, dass du uns deinen Bruder geschickt hast.

Liebe Kristina @krissly_bee88 vielen Dank für Hannas Geschichte, sie bleibt unvergessen!

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