Allgemein

Ändert ein Regenbogenbaby etwas?

Erwartungen, mit einer Schwangerschaft nach einer stillen Geburt, einer Fehlgeburt, einem Abgang sind sie plötzlich da. Diese Erwartungen. Von überall scheinen sie herzukommen und prasseln auf dich ein, von innen und von außen.

Ich selbst hatte die Erwartung, dass dieses Kind leben wird, gesund ist und gleichzeit hatte ich die Erwartung, dass es wieder krank ist, ich war gefangen zwischen Wunsch und Wirklichkeit, meiner bisherigen Wirklichkeit.

Ich habe diese Schwangerschaft recht lange für mich behalten weil ich ahnte, dass dann neben meinen eigenen Erwartungen noch Marie eine Rolle spielen wird, besser, dass sie ab dem Zeitpunkt eben keine Rolle mehr spielen soll. Ich weiß nicht wie oft ich den Satz gehört habe, dass ein neues Kind alles besser macht, der Schmerz über Maries Tod aufhört. Die Erwartung, dass ich endlich mit dem unbequemen Thema aufhöre. Denn während meine Freunde Marie ganz selbstverständlich akzeptieren und mit mir über sie reden, ist es für meine Familie und meine Schwiegerfamilie irgendwie unnatürlich und befremdlich. Ich war schwanger und plötzlich war es wieder das erste Kind.

Die Erwartung, dass Marie „verschwindet“, ihre Präsenz in meinem Leben, die Trauer, das Weinen, das Lieben besser werden, die kann ich bis heute nicht erfüllen. Mein Sohn ist nun 4 Monate alt und es hat sich nichts verändert. Ich liebe meine Tochter, genauso wie ich meinen Sohn liebe.

Seine Geburt war wie die eines jeden Geschwisterkindes auch, nur dass meine große Tochter eben nicht bei mir ist. Mein Sohn steht für sich, wie jedes Geschwisterkind und Marie hat nach wie vor den gleichen Platz in meinem Herzen. Ich kaufe ihm Bodies mit „best brother ever“, ich sitze manchmal abends da und weine wenn ich in den Nachthimmel gucke, denn sie wird mir immer fehlen, meine Marie, mein Mädchen.

Mein Sohn hat mein Leben selbstverständlich bereichert, verändert, endlich ist hier echtes Kinderlachen, ein benutzter Kinderwagen und nicht nur die Erinnerung an ein kleines, zartes, unglaublich schönes Mädchen in meinen Armen. Ein Regenbogenbaby verändert alles und nichts.

Was ich damit sagen will? Ich glaube, dass man keine Erwartungen versuchen sollte zu erfüllen sondern sein Leben authentisch leben sollte. Man darf weiterhin trauern, es heißt nicht sich nicht über das neue Leben zu freuen. Man darf weinen, es heißt nicht, dass man depressiv ist und nicht mit der Situtation zurecht kommen würde. Man darf lieben, die Liebe für sein Sternenkind zieht nichts von der Liebe für das lebende Kind ab, nein, es vergrößert sie.

Wer das Gefühl hat, es wird von ihm erwartet, dass mit Regenbogenbaby das Sternenkind nun verabschiedet werden muss, der darf ruhig lachen sich umdrehen und gehen. Der darf sich für denjenigen mit dieser Erwartungshaltung freuen, den dieser jemand musste nie sein Kind gehen lassen.

Ein Kommentar zu „Ändert ein Regenbogenbaby etwas?

  1. Ein wunderschön ehrlich geschriebener Text. Ein Regenbogenbaby ist ein wunderbares Symbol der Hoffnung, doch immer wenn ich unsere Tochter anschaue, die nun bald 2 wird, sehe ich auch immer was ich mit meinen 2 anderen Kindern verloren habe. Ich gehe ihr gegenüber offen mit dem Thema um, und erzähle ihr von Ihren 2 Brüdern. Sie weiß, dass sie im Himmel sind, und ihre eine Spieluhr für ihren Bruder gedacht gewesen ist. Wenn ich über sie rede, dann geht sie oft zum Fenster und zeigt in den Himmel, und dann bin ich stolz und traurig zu gleich.
    Alles Gute für dich

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s