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Wie Camille kurz die Erde streifte

Im November 2016 erfuhr ich, dass ich schwanger bin, und die Freude war gross, jedoch auch ein bisschen mit gemischten Gefühlen verbunden.

Eigentlich war immer alles gut, bis zum Ersttrimesterscreenig. Da war zwar auch alles gut, nur das ich, entgegen meiner gewohnten Haltung was pränatale Untersuchungen anbelangt, auf die Frage, ob ich Blut geben möchte, Ja gesagt habe. Was dies nach sich zog, war mir in dem Moment nicht bewusst.

Ein paar Tage später bekam ich den Anruf meiner Ärztin, etwas stimme nicht, der Test zeige erhöhte Werte für eine Trisomie an. Ziemlich verwirrt ließ ich mich beraten, was wir als nächstes tun können. So entschieden wir uns, immer noch voller Zuversicht und Hoffnung, dass alles nur ein Fehler sei, für den Panoramatest, um genaueres zu erfahren.

Leider war auch da ein paar Tage später der Fall ganz klar, 99% Trisomie 18. Wir hatten noch nie davon gehört, also fing ich an zu googeln was das Zeug hält, nur um jedes Detail dieses Chromosmendefekts zu kennen. Bis ich irgendwann das Gefühl hatte, mein Hirn sei nur noch Matsch und mein Herz ein unendlich grosser Klumpen Blei.

Ich musste damit aufhören, und mit meinem Mann eine Entscheidung treffen.

Ich war so hin und hergerissen, konnte keine klaren Gedanken fassen… Und war so unendlich erleichtert als mein Mann fand, wir behalten dieses Baby, wir haben es uns gewünscht, und nur weil es jetzt nicht so ist, wie wir uns das vorstellten, soll das nicht sein Todesurteil sein. Ja, es ist so, wir fühlten uns nicht berechtigt, darüber zu entscheiden, ob dieses Menschlein leben oder sterben soll. Es soll seinen Weg soweit gehen können, wie es für es bestimmt ist, und wir werden es begleiten soweit es geht.

Dieser Entscheid erleichterte uns unheimlich, und wir hatten danach nie mehr das Gefühl, auf dem falschen Weg zu sein, es fühlte sich einfach richtig an, der Bleiklotz auf meinem Herzen lichtete sich, und meine Gedanken kamen zur Ruhe.
Unsere Tochter, wie wir erfuhren, entwickelte sich wunderbar. Sogar der Spezialist war beim Ultraschall sehr erstaunt, wie gut es ihr ging und wie wenige Handycaps sie hatte. Keine organischen Abnormitäten, alles wunderbar, etwas klein, eine singulare Nabelschnur und eine einseitige Handfehlstellung. Das ließ unsere Hoffnung unheimlich wachsen, dass unsere Tochter eine Chance hätte, auf ein Leben, das gar nicht so mit Leid verbunden war. Unsere Zuversicht war riesig und die Hoffnung gab uns Kraft. Wir waren so optimistisch, dass sogar unsere Ärztin nicht mehr gross davon ausging, das es schlimm sein könnte.
Der Geburtstermin verstrich, und ich hatte plötzlich fest den Gedanken, das unsere Tochter nicht alleine zur Welt kommen mag, sie brauche Hilfe.

Zwei Wochen über dem Geburtstermin hatte ich weder körperlich noch psychisch mehr die Kraft, die Schwangerschaft noch fortzusetzten. Also leiteten wir ein, Wehencocktail, Tabletten, Wehentropf, nichts wirkte, ich war am Verzweifeln, wollte doch endlich unsere Tochter kennenlernen. Dazu kam, das unsere Ärztin uns mitteilte, dass sich nun ihr Herz vergrössert habe, was uns schier den Rest gegeben hatte.

Wir gingen für eine Pause nach Hause und kamen zwei Tage später wieder, um wieder einzuleiten. Auch diesmal, ließ sich unsere Tochter nicht dazu bewegen, irgendwie auf die Welt zu kommen. Einen Tag später dann spürte ich endlich richtige Wehen, jetzt gings los. Die Geburt ging zügig voran, Herztöne waren auch immer da, und am 14.8.2017 um 1.22 Uhr war sie da. Unsere Camille.

Sie lag da, atmete nicht, hatte die Augen geschlossen, regungslos.
Ich fragte nach, obwohl mir klar war, dass sie kurz bevor sie zur Welt kam, verstorben sein muss, ob sie nicht atme? Kopfschütteln…
Ich nahm Camille in meine Arme und bewunderte sie, dieses wunderschöne Mädchen. Es war magisch, Glücksgefühle über die Geburt, Stolz es endlich geschafft zu haben, soviel unglaubliche Liebe, Frieden und Ruhe… Alles war stimmig, in diesem Moment wussten wir, alles war richtig, alles so wie es sein sollte.

Nun kommt der erste Sternengeburtstag, und ich bin trauriger denn je…

Wir vermissen Dich Camille so sehr, jeden Tag denke wir an Dich, in unseren Herzen bist Du zuahuse.

Camille Valerie 14.8.2017 2570gr. 47 cm

Liebe Rebekka, danke für Camilles Geschichte, die etwas ganz besonderes ist. Eure Tochter wird niemals vergessen sein!

2 Kommentare zu „Wie Camille kurz die Erde streifte

  1. Mein Herz wird schwer wenn ich von Camille lese. Ich kann nur ansatzweise ahnen welch Kraft es gekostet haben muss die kleine Prinzessin so lange unter dem Herzen zu tragen. Ein mutiger Schritt bei Trisomie 18. Und dann so kurz vor der Geburt zu sterben …ich bin traurig und sprachlos. Alles Gute zu Deinem ersten Sternengeburtstag kleiner Engel

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