Diagnose · Leben mit der Trauer

Sich Zeit lassen

Unser Weg von den ersten Auffälligkeiten bis zur endgültigen Diagnose dauerte ziemlich genau fünf Wochen. Fünf lange Wochen. Und doch bin ich so froh, dass wir diese Zeit hatten. Wirklich froh. Denn nur so konnte ich die für mich/für uns richtigen Entscheidungen treffen.

Ich weiß noch genau, wie es sich angefühlt hat da auf der Liege beim Pränataldiagnostiker. Ich hab’s ja schon hier beschrieben. Aber das wichtigste ist, wie es mir danach ging. Denn ich erinnere mich auch noch genau an ein Telefonat mit meiner Mutter, der ich unter Tränen erzählte, dass ich unter keinen Umständen dieses Baby auf natürlichem Weg gebären würde. Das könnte ich mir gar nicht vorstellen. Eine richtige Geburt und danach kein gesundes, lebendiges Baby in den Armen halten? Unvorstellbar.

Deswegen sollte dann jetzt bitte alles schnell gehen. Bis 14+0 würden sie das Baby noch „absaugen“ (was für ein schreckliches Wort und was für eine schreckliche Vorstellung), danach müsste die Geburt eingeleitet werden. Damit bliebe uns ca. eine Woche. Also schnell her mit der Diagnose. Und dann los!

Aber es kam anders. Zum Glück. Der Schnelltest der Chorionzottenbiopsie war negativ und schenkte uns Hoffnung und Zeit. Und als es durch Ultraschalls und letztlich das Langzeitergebnis der Biopsie offensichtlich war, dass Pauline nicht würde leben können, war es zu spät.

Während dieser langen Zeit des Wartens wurde für uns immer klarer, dass wir nichts entscheiden bevor wir ganz sicher sind, was sie hat. Und damit ging einher, dass eine Geburt auf uns zukommen würde. Und das war okay. Meine Einstellung veränderte sich. Es war mir jetzt doch so unglaublich wichtig, dass ich unsere Tochter noch einmal sehen kann. Dass ich sie wenigstens einmal im Arm halten kann. Sie bewundern.

Und ja, aus diesem Grund bin ich froh für unsere fünf Wochen Ungewissheit. Ich konnte in Ruhe Entscheidungen treffen. Nachdenken. Ankommen in der schrecklichen Realität. Wirklich begreifen, was passiert und was ich möchte.

Und genau das möchte ich Euch mit auf den Weg geben: Wenn Ihr könnt, lasst Euch Zeit mit der Entscheidung, was ihr machen wollt. Lasst erstmal diese erste große Welle des Unglaubens, des Schocks über Euch hinweg rollen und entscheidet dann mit zumindest etwas klarerem Kopf. Schließlich müsst ihr mit den Entscheidungen Euer ganzes Leben lang klar kommen.

Eure Julia

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