Leben mit der Trauer

Rückhalt durch Familie und Freunde

Wenn ES passiert, wenn einen diese eine Nachricht überrollt, dann stellt man schnell fest, wer wirklich für einen da ist. Wer vor Deinem/Eurem Schicksal nicht davonrennt. Wer Worte findet. Wer da ist.

Viele Sternenmamas fühlen sich allein gelassen. Erzählen, dass ihr Kind nicht beim Namen genannt wird, es einfach totgeschwiegen wird. Dass nicht mehr an die Jahrestage, Geburtstag, Sternengeburtstag, gedacht wird.

Ich hatte großes Glück. Glück im Unglück, sozusagen. In unseren Familien waren alle tief getroffen von unserem Schicksal. Aber es waren unterschiedliche Reaktionen. Die einen waren da, fragten nach. Die anderen zeigten sich betroffen, konnten aber weiter nichts mit „uns“ anfangen.

Und es gab Bestätigungen und Überraschungen. Einige haben reagiert, wie man es erwartet hat – also sowohl im positiven als auch im negativen Sinn. Andere wiederum haben mich und uns überrascht. Da kam mehr als erwartet.

Zur ersten Kategorie – und ich möchte hier bei den Positivbeispielen bleiben – zählen meine Mutter und meine Schwester. Ich weiß bei beiden, auch wenn nicht immer alles leicht ist – sie sind da, immer. Ungefragt kamen Nachrichten, Nachfragen, Hilfsangebote. Ohne anschließendes Beleidigt sein konnte ich auch sagen: „Jetzt nicht!“ Auch wenn mich ihre Reaktion und ihr Verhalten nicht überrascht haben, so finde ich es doch nicht selbstverständlich. Ich bin dankbar. Und ich hoffe, das habe ich auch ausreichend zum Ausdruck gebracht.

Zur zweiten Kategorie gehörten, um nur ein paar wenige zu nennen, meine Schwägerin, eine Freundin, von der ich mich vor längerer Zeit entfernt hatte, meine Cousine und wenige mehr. Diese Menschen sind in meinen Augen über sich (oder über mein Bild von ihnen) hinausgewachsen. Sie haben sich um uns gesorgt, waren für mich/uns da und hatten und haben keine Hemmungen, über Pauline zu reden. Sie wollten sogar die Bilder sehen, die wir von unserer Tochter haben. Sie hatten keine Angst, sie haben sich sogar gefreut.

Und diese Zweiteilung lässt sich auch heute, über eineinhalb Jahre nach Paulines Geburt, feststellen. Mit einigen reden wir über Pauline, mit anderen nicht. Einige denken an wichtige Jahrestage, andere nicht.

Erst war ich manchmal enttäuscht über fehlende Empathie. Unser Mädchen gehört für uns zur Familie, und das sehen offenbar nicht alle so. Das hat mich verletzt. Aber nun denke ich immer öfter, wer weiß, wie es in ihnen drin aussieht. Vielleicht berührt es sie sehr, aber sie können nicht darüber reden. Vielleicht denken sie an die Jahrestage und trauen sich nicht, sie uns gegenüber zu erwähnen, um keine alten Wunden aufzureißen (was in meinen Augen Quatsch ist, die Wunde ist da und darüber reden hilft. Aber es ist ja meine Sicht, nicht ihre). Vielleicht glauben sie, es wäre für uns einfacher, wenn wir nicht damit konfrontiert werden.

Aus welchem Grund auch immer, ich habe für mich akzeptiert, dass nicht alle Menschen in unserem Umfeld mit dem Thema Pauline so umgehen, wie wir es uns wünschen würden. Das macht es einfacher. Für mich.

Ich weiß, nicht alle haben das Glück überhaupt irgendwen in der Familie zu haben, der empathisch und zugewandt mit ihrer Geschichte umgeht. Manchmal gibt es „nur“ Freunde, manchmal „nur“ andere Sternenmamas im Internet.

Aber: Lasst Euch nicht unterkriegen. Sagt es Euren Familien, wenn Euch etwas stört. Zeigt ihnen den Ausschnitt aus Hannah Lothrops Buch. Oder akzeptiert, dass von der Seite nichts kommt, konzentriert Euch auf die guten Menschen, die Euch umgeben. Denn was zählt ist, dass ihr nicht alleine seid. Dass irgendwo der Rückhalt wartet, den ihr so dringend benötigt.

Wie war und ist es bei Euch? Wer war und ist da? Wer hat Euch überrascht? Was denkt ihr zu dem Thema?

Eure Julia

Ein Kommentar zu „Rückhalt durch Familie und Freunde

  1. Du schreibst mir aus der Seele. Ich hatte vor kurzem auch einen Beitrag zu diesem Thema geschrieben, meine Schwiegereltern können meine Trauer absolut nicht nach vollziehen und meinen ich würde es mit dem Trauern übertreiben. Das verletzt mich zutiefst. Auch 1 Jahr nach dem Verlust unseres Baby‘s kann ich die Reaktion nicht richtig verzeihen.
    Vielen, vielen Dank für deinen Beitrag zu diesem Thema🙏🏻

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