Allgemein · Folgewunder · Geburtsbericht

Von der Traumgeburt zum Geburtstrauma

Da bin ich also wieder. Frischgebackene zweifach Mama. Endlich ein Kind das warm bleibt, atmet, mit uns nach Hause durfte und einfach die Augen aufmacht.

Kann ich das Gefühl beschreiben?… Nein.. einfach nur nein. Es ist ein Wunder, ich weiß nicht wie oft ich meinen Sohn anfasse und einfach nur fasziniert von seiner Temparatur bin. So anders als Marie und dafür bin ich unglaublich dankbar. Auch für ihre Ähnlichkeit. Die zwei haben so ähnliche Gesichtszüge und das macht es unfassbar schön. Er ist eine eigene kleine Person und doch so unverkennbar ihr Bruder. Danke Universum dafür!!!

Viele Fragen kamen zum Thema Geburt und Geburtshaus. Ja, wie war es denn nun?

Wie ihr wisst, wollte ich nach der stillen Geburt von Marie diesesmal beschützt und behütet gebären. Eine Geburt nach meinen Vorstellungen, in einem Rahmen in dem ich und mein Gefühl zu 100% ernst genommen werde. Ich habe mich dabei für ein Geburtshaus entschieden. Ich habe die Hebammen vorher kennen gelernt und sie uns.

Ich hatte genaue Vorstellungen davon, wie ich dieses Baby im Leben begrüßen möchte. Und für mich hieß das in Geborgenheit, Sicherheit und ohne Ärzte und Hebammen die gemein zu uns sind, die mir unter Umständen einfach erst mal mein Baby wegnehmen um es zu baden. Ich dachte, wenn ich es geschafft habe meine erste Tochter voller Liebe tot zur Welt zu bringen, dann MUSS diese Geburt eines lebenden Babies einfach unfassbar schön werden. In meinem Kopf waren die Glücksgefühle von Marie die ich danach verspürte, diese unbändige Kraft, diese Liebe, das Zufriedensein.

Wer meine Geschichte kennt, der weiß WIE glücklich ich direkt nach der Geburt meiner Marie war. Ich war so voller Stolz und Kraft und Liebe. Ich konnte direkt nach Ihrer Geburt aufstehen, war klar im Kopf, trotz dem medikamentösen Totalabschuss. Und ja, dies habe ich einfach ganz klar erwartet für diese Geburt. Erst recht in einer von mir gewählten Umgebung.

Dann kam der Tag der Entbindung und meine Traumgeburt wurde zu einem Geburtstrauma. Und ich weiß nicht mal warum.

Die Hebammen waren toll, die Atmosphäre genauso wie ich es wollte, die Räumlichkeiten exakt nach meiner Vorstellung. Ich wurde unterstützt, umsorgt, alles genau nach meinen Vorstellungen! Wirklich, es hätte nicht besser gemacht werden können, in keinem Krankenhaus der Welt wäre ich und unser Kind besser aufgehoben gewesen als in diesem Geburtshaus. Ich hatte meine zwei, mir vertrauten Hebammen an meiner Seite, die Herztöne wurden überprüft nach jeder Wehe. Ich war beschützt, behütet und umsorgt. Und trotzdem war es für mich der blanke Horror. Warum? Ich weiß es nicht mal. Ich dachte ich muss sterben, alles ging zu schnell für mich, ich konnte mit meinem eigenen Tempo nicht mithalten. Wollte irgendwann nur noch das es aufhört, konnte nicht mehr, ich hatte plötzlich Angst und dann war er da und ich konnte ihn nicht anfassen. Ich war schwach, alle Kraft aus meinem Körper, ich wollte die Augen schließen und in mir versinken, ich konnte nicht mehr. Ihn von mir aus anfassen, es ging nicht. Ich hatte Angst, dass er dann kalt wird, dass das alles nicht wahr sein kann… und dann war da diese unglaubliche Schwäche in mir, ich kann mich nicht daran erinnern wie ich ins Bett gelegt wurde, wer mir meinen Sohn auf den Bauch gelegt hat. Ich weiß nur, wie der Papa nicht fassen konnte seinen Sohn zu sehen. Wie er ihn zu sich genommen hat, so wie ich es mir vorgestellt habe.

Ja, für mich ist es unglaublich hart, dass ich in dieser Schwäche zusammen gebrochen bin. Ich frage mich warum ich meine tote Tochter mit so viel Stärke und Liebe auf die Welt bringen konnte und meinen lebenden Sohn nicht. Die äußeren Umstände waren perfekt. Ich frage mich warum? Ich schaue ihn an und platze vor Glück und Liebe, warum war diese Geburt also so schlimm für mich? Warum? Ich kann es nicht beantworten.

Im Endeffekt sagt jeder, dass es egal sei. Er wäre doch jetzt da und alles gut. Und es stimmt. Nie in meinem Leben habe ich mich so zufrieden gefühlt, so unendlich ausgeglichen. Mein Baby in meinem Arm, für jeden sichtbar… und trotzdem komme ich gedanklich nicht über diese Geburt drüber hinweg. Ich weiß allerdings auch nicht wie ich diese aufarbeiten kann. Etwas was untypischh ist, normalerweise habe ich einen guten Zugang zu mir, aber vielleicht ist dies etwas neues, ein neuer Weg, eine neue Seite, die entdeckt werden will.

Vielleicht war der Fehler mit überzogenen Erwartungen in die Geburt zu gehen? Vielleicht die Tatsache, dass er einen Nabelschnurknoten hatte, einen echten. Die ganze Schwangerschaft über hatte ich Angst vor der Nabelschnur, zu recht. Meine Plazenta lößte sich zu früh unter den Wehen, ich bekam Kindbettfieber, aber all dies geschah danach. Nichts davon wusste ich unter der Geburt, dieses „er hätte sterben können“, „ich wäre fast gestorben“ kann es auch nicht sein, auch wenn es mir zusätzlich zu schaffen macht.

Wie geht es den Mamas mit Folgewundern, den schwangeren Sternenmamas? Kennt ihr das? Habt ihr auch Vorstellungen von der Geburt? Waren eure Regenbogengeburten denn alle nur heilsam und wunderschön und ich bin die komische Alte, die nicht mehr ganz richtig tickt? Oder kennt das jemand?

Eins weiß ich jedenfalls,… mein Mann möchte ein drittes Kind, ich im Moment nicht, aber sollte sich das mal ändern, werde ich keine Erwartungen mehr haben, ich werde in meinem Kopf keine genaue Vorstellungen mehr haben. Es kommt eh anders als man denkt.

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