Deine Geschichte · Diagnose · Gastbeitrag · Geburtsbericht

Unser Sternenprinz Elias

Noch nie hatte ich so viel Angst, wie an diesem Tag. Eigentlich wollten wir diesen Tag damit verbringen, Elias Kinderzimmer abzuholen und freudig in unsere neuen Wohnung einrichten. Doch leider begann der 03.01.2018 in meiner 24+2ssw nicht so schön wie erhofft.

In der Nacht vom 02.01.2018 zum 03.01.2018 stand ich wie so oft in der Schwangerschaft auf, um auf die Toilette zu gehen. Dort begann dann der Anfang vom Ende.

Ich bekam auf der Toilette Schmerzen im Unterrücken. Anfangs habe ich mir dabei nichts gedacht, bis die Schmerzen nach kurzer Zeit intensiver wurden und wie durchgängige Krämpfe vom Rücken in mein Unterleib zogen. „Waren das etwa Wehen? Das kann nicht sein, dass wäre doch viel zu früh!“, dachte ich mir. Ich wollte aufstehen, um zu meinen Freund zu kommen und ab ins Krankenhaus zu marschieren. Schon die Türklinke in der Hand, verspürte ich nur noch einen Tritt in meiner linken Unterbauchseite. Den letzten Tritt, den ich von meinen Bauchzwerg verspüren durfte. Dann sprang die Fruchtblase und es floß mit dem Fruchtwasser Blut, wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte. In wenigen Sekunden war meine Hose von oben bis unten voller Blut.

Mit einer Panik, die ich noch nie in meinem Leben verspürte, weckte ich meinen Freund und fuhr mit ihm ins Krankenhaus. Ich wollte einfach keine weitere Zeit verstreichen lassen und wusste nicht, wie ich mich verhalten soll. Meine Mom kam hinterher. Im Krankenhaus angekommen, bekam ich nicht einmal einen Rollstuhl angeboten, erst als die Krankenschwester auf der Babystation meine vollgeblutete Hose sahen, reagierten sie, wie ich es für angemessen fand. Man machte ein Ultraschall und hörte die Herztöne ab. Für diesen ein kurzen Moment verspürte ich eine gewisse Erleichterung, denn mein kleiner Prinz lebte.

Die Ärzte machten mir Hoffnungen und sagten mir, ich müsste vermutlich viel liegen, damit sich die Fruchtblase neu bilden könnte und sie brachten mich mit einem Krankenwagen in eine Klinik mit Früchenstation.

Dort ging der Albtraum richtig los. Als mein kleiner Bauchbewohner und ich im Klinikum Oldenburg ankamen, wurden mit Hilfe eines CTG die Herztöne kontrolliert. Das war unser erster gemeinsamer und der letzte. Ohne mit mir zu reden, schoben sie mich ins OP-Zimmer rein und redeten über einen Notkaiserschnitt. Voller Angst und allein, weil mein Freund und meine Mom noch nicht nachgekommen sind, bat ich um eine Vollnarkose. Ich hatte so viel Angst Elias könnte nicht mehr leben. Schließlich ist es für ihn doch noch viel zu früh?

Was dann geschah, bekam ich nicht mehr mit. Wenige Zeit später, wo ich langsam wieder zu mir kam, drückte mir eine Krankenschwester ein Bild von Elias in die Hand. Sie gratulierte mir und fragte mich, wie der kleine Mann denn heißen soll. Ich antwortete voller Freude, denn mir wurde klar, er hat es überlebt.

Ich wollte nur noch zu ihm. Ich wurde zu ihm auf die Früchenstation geschoben und durfte meinen kleinen Elias Paul zum ersten Mal ausserhalb meines Körpers in Aktion erleben. Er strampelte unfassbar niedlich herum. Er war so aktiv und atmete zu 30% selbstständig. Das war für mich der Moment wo der kleine letzte Funke übersprang und mein Mutterherz anfing zu beben.

Ich war so stolz auf meinen Kämpfer und ich empfand mehr Liebe als je zuvor. Ihn zu berühren, ihn anzusehen. Das war der schönste Moment in meinem Leben. Und wie ihr euch denken könnt, hielt dieser traumhafte Moment nur kurz an.

In der Nacht zum 04.01.2018 wurde ich geweckt von einer Kinderärztin. Elias ging es nicht gut, er hatte Hirnblutungen bekommen und sie versuchten mit Hilfe einer Bluttransfusion, ihn erstmal stabil zu halten. Die halbe Nacht verbrachte ich an seinem kleinen Brutkasten und hielt seine Hand. Ich schlief an seinem Brutkasten und sagte ihm immer wieder: „Bitte kämpf weiter mein kleiner Schatz! Zusammen schaffen wir das! Mama ist bei dir!“

Am nächsten Tag wurde Elias noch einmal von oben bis unten durchgecheckt. Stundenlang mussten mein Freund, der dazu kam, und ich auf die Ergebnisse warten. Ich versuchte mir einzureden, dass ist bestimmt ein gutes Zeichen. Doch dann das böse Erwachen. Wir wurden in einen Raum geholt und man hat uns erklärt, dass die Hirnblutungen wieder angefangen haben und er hätte, wenn es hoch kommt, nur noch ein paar Tage. Er atmete nicht mehr selbstständig und wir hätten 10 Minuten Zeit, um zu entscheiden, ob wir eine Nottaufe wollen. Eigentlich konnten wir gar nicht darüber nachdenken, weil wir so damit beschäftigt waren zu weinen und zu beten. Dennoch entschieden wir uns spontan für eine katholische Nottaufe. Meine Mama und meine kleine Schwester sowie seine Eltern kamen dazu und als ob Elias es so wollte, ging nach der Taufe sein Puls immer weiter runter. Er wurde mir in den Arm gelegt und er bekam im engsten Familienkreis seine wunderschönen Engelsflügel.

Ich kann nicht sagen, was ich in diesen Moment dachte. Ich glaube, ich habe gar nichts gedacht. Ich genoss einfach nur seinen Geruch und merkte, wie die Wärme langsam seinen Körper verließ. Wir wuschen ihn und zogen ihn an. Mein kleiner Engel war gerade mal 33 cm groß und wog 670g. Für mich war er bildschön, einfach perfekt! Wie ein kleiner Engel eben.

Ich glaube der schwierigste Schritt kam dann noch mal einen Tag nach seinem Tod. Ich musste ihn für immer aus meinen Armen geben und in diesem Moment zerbrach mein Herz vollkommen. Das Krankenhaus ohne ihn zu verlassen war so ein schwerer Schritt. Wochenlang konnte ich nur an sein kleines perfektes Gesicht und das Geschehene denken. Immer und immer kamen die Bilder zurück in meinem Kopf und ich musste den Schmerz immer wieder erneut durchleben.

Ich habe viel geweint und war voller Wut. Wieso ist das passiert? Bis zu diesem Tag war immer alles gut. Ich hatte bis auf der anfänglichen Übelkeit keine Probleme und er war immer kerngesund. Was der Auslöser für all das war, wird nur vermutet. Man glaubt, ich hatte eine Plazentaablösung und mein Körper hat vermutlich im Sinne des Kindes gehandelt.

Heute ist das alles fast 4 Monate her und das Leben ist ein riesiges Auf und Ab. Hört man ein Baby im Kinderwagen schreien, würde ich am liebsten einfach mitweinen. Sehe ich Schwangere mit ihren Babybäuchen, würde ich mich am liebsten in meiner Wohnung verziehen und nicht mehr raus kommen. Schwierig ist der Schritt für uns auch wieder ins Berufsleben zurückzukehren, denn wir arbeiten mit Kindern. Die Zukunft wurde bei mir mit Angst geprägt und ich weiß oft nicht, wie ich aus meinem tiefen Loch wieder raus kommen soll. Er fehlt mir einfach so sehr.

Bald fängt mein Rückbildungskurs für Sternenmütter an und ich hoffe sehr, dass wird mir helfen. Dennoch hat sich etwas bei mir getan. Nicht jeder Tag ist mehr schwarz und grau. Es gibt gute und sehr schlechte Tage. Ich schreibe viel mit anderen Sternenmamis und sie zeigen mir oft ein Lichtblick. Sie wirken auf mich so stark und geben mir Mut weiter zu machen. Auch sind mir

meine Familie und Lebensgefährte eine sehr große Stütze

.

Mittlerweile stehen mein Freund und ich an dem Punkt, dass wir sagen, wir würden es gerne nochmal versuchen und wünschen uns sehr einen Regenbogen von Elias. Ich bin davon überzeugt, wenn mein Sternenprinz so weit ist, schickt er uns einen Regenbogen mit den schönsten und kräftigsten Farben und passt als großer Bruder ganz bestimmt bestens darauf auf. Er weiß, niemand kann ihn ersetzen und das ihn für immer mein Herz gehört.

Elias, Mama liebt dich und vermisst dich

über alles!

Liebe Jasmin @engelsmami03019, danke für Elias Geschichte. Er wird niemals vergessen sein!

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