Allgemein · Leben mit der Trauer · Trauerverarbeitung

Die Sache mit dem „Eltern“- sein

Unter uns Sterneneltern, Sternenmamas und Sternenpapas sind wir uns ja einig: Wir SIND Eltern. Wir tun nicht nur so, sondern ganz real haben wir ein Kind. Das ist ein Fakt.

Gut, zugegeben unser Kind lebt nicht, aber haben wir deswege weniger Sorgen? Nein. Haben wir uns deswegen weniger auf die Elternrolle vorbereitet in der Schwangerschaft, egal wie lange sie dauerte? Nein. Haben wir uns nach dem Ende nicht verhalten wie trauernde ELTERN? Doch.

Was also fällt der Gesellschaft so schwer daran uns auch als Eltern zu sehen? Warum darf man mit diesem Thema nicht offen umgehen? Sollte man nicht sogar offener damit umgehen?

Eine Frage die ich mir seit langem stelle und sie ist so unglaublich schwer zu beantworten.

Eine Sache ist die Aufklärung in der Schwangerschaft. In meiner Schwangerschaft mit Marie war ich 25 Jahre. Alles was ich wusste: Ich gehöre keiner Risiko-Gruppe an, mir und meiner Schwangerschaft kann eigentlich, ja EIGENTLICH nichts passieren. Ich rauche nicht, ich trinke nicht, keinerlei Krankheiten, ich bin JUNG!! Das Zauberwort überhaupt in der Schwangerschaft um jeden Risikogedanken abzuschlagen.

Heute weiß ich: Das Risiko für eine Trisomie21 steigt mit dem Alter, Trisomie 13 und 18 sind jedoch eigentlich völlig altersunabhängig. Nur weil du jung bist, ist dein Risiko nicht kleiner. Das gilt für so zahlreiche Defekte und Krankheiten in der Schwangerschaft.

Fakt ist: Jede Schwangere hat das Recht auf eine sorgenfreie, unbeschwerte Schwangerschaft. Niemand sollte mit Horrorstories was alles passieren kann auf eine emotionale Talfahrt gebracht werden.

Nach meiner Erfahrung mit Marie bin ich aber der Ansicht, dass es einen Mittelweg bei der Aufklärung in der Schwangerschaft geben sollte. Weder die völlige Abschirmung von Schicksalen noch das Horrorszenario-Gemache sind sinnvoll. Eine neutrale, unemotionale Aufklärung in dieser absolut emotionalen Zeit wäre mit Sicherheit nicht verkehrt. Und sei es eine kleine Broschüre die mit dem Mutterpass ausgegeben wird: „Was mache ich wenn…“.

Denn was machst du wenn…?

Nie war ich so hilflos, nie so überfordert und mit mir alle anderen um mich herum. Hast du nicht jemanden an der Hand der sich dann um alles kümmert, tja dann stehst du dumm da und irgendwann später fängst du dir an Gedanken zu machen, was du alles gerne anders gehabt hättest, beginnst zu begreifen was du alles für Möglichkeiten gehabt hättest. Aber dann ist es zu spät.

Böse gesagt: Die Sau ist durch’s Dorf und du kannst nicht mehr ändern oder nachholen. Du hast kein Foto? Pech! Der Stempelabdruck ist verblasst weil es die falsche Tinte war? Ups, sorry. Du hättest im Nachhinein lieber einen natürlich Abgang gehabt als eine Ausschabung? Zu spät. Du hättest dein krankes Kind lieber selber entscheiden lassen wann es geht? Tja, Überraschung alles ging zu schnell.

Was hat es uns allen also gebracht, sich in Sicherheit gewägt zu haben? Nichts.

Trotzdem wird das Thema behandelt als ob es Lepra, Aids und die Pockenpest hätte. Das Magazin „Eltern“ hat einen Bericht dazu abgelehnt, obwohl wir doch auch ELTERN sind. Das Thema sei zu schwierig.

Ist es das denn wirklich? In Zeiten der Organspendeausweise, der Patientenverfügung, der Testamente ist es tatsächlich zu schwierig Vorsorge für sein eigenes Kind zu betreiben? Beim Organspendeausweis denke ich sogar an meinen eigenen Tod, bei der Patientenverfügung auch, beim Testament auch. Weiter gedacht: Die gegenseitige Lebensversicherung. Wir denken an unseren Tod, etwas das passieren kann, wir sorgen vor, treffen Entscheidungen für verschiedene Situationen, von den wir hoffen, dass sie nie eintreten! Dennoch treffen wir diese und zwar ohne total traumatisiert davon zu sein. Es macht halt Sinn. Und genauso sehe ich dies mittlerweile in der Schwangerschaft. Ich kann sehr wohl eine wunderschöne Schwangerschaft haben, nachdem ich für mich und mein Kind ein paar Entscheidungen für den Fall der Fälle getroffen habe.

Ich bin sehr auf eure Meinungen dazu gespannt! Und wie immer gilt: Nichts muss verstanden werden, aber alles akzeptiert!

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