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Hallo Lady in Schwarz, du bist in Ordnung.

Traurig sein, das gehört zu einem Leben als Sternenmama und Sternenpapa dazu. Wir haben ein Kind verloren, das wir sehr geliebt haben.

Wieso denken wir also all zu oft, dass wir wieder funktionieren müssen, die Trauer, den Schmerz möglichst schnell verpacken und verstauen müssen, dass es zwingend weiter gehen muss?

Muss es das denn? Immer voran gehen? Möglichst schnell signalisieren, dass es uns „gut“ geht. Wir klar kommen.

Vieles hängt glaube ich mit dem eigenen Selbstbild zusammen, aber auch der Angst vor einem Urteil von „außen“. Die Angst davor für labil gehalten zu werden, die Angst sich selbst zu sehen wie man sich selbst gar nicht sehen möchte.

Ich habe mir nach dem Tod meiner Tochter Hilfe geholt, ich wollte reden. Vielleicht meine Geschichte nochmal von mir selber hören ohne ein Selbstgespräch führen zu müssen oder alles bei meinem Mann abladen zu müssen.

Unter anderem war ich dafür bei einem Psychhologen und Psychiater. Schnell fiel das Wort „Depressionen“ „Medikamenteneinstellung“. Darf man heutzutage nicht mehr einfach „nur traurig“ sein? Ich war traurig, schlicht und ergreifend traurig und ich bin es heute noch oft. Aber depressiv?

Danach habe auch ich mich versucht „am Riemen zu reißen“. Wieder Fuß zu fassen, einen Alltag schaffen, sicherlich nicht wollte ich als depressiv gelten. Irgendwie hat es in unserer Gesellschaft den Beigeschmack von „faul“, „nicht klar kommend“, „schwach“.

Eigentlich vollkommen ungerecht. Genauso, dass man nicht tarurig sein soll. Was wenn ich aber traurig sein möchte? Was wenn es mir so richtig gut tut, ab und an mal tief traurig zu sein? Weil es für mich bedeutet, nicht zu vergessen, zu lieben, meine Tochter nah bei mir zu fühlen und sie zu vermissen.

Fast ist es so, als müsste man darum kämpfen mal traurig zu sein ohne gleich als depressiv zu gelten oder mit Medikamenten auf „glücklich“ gestellt zu werden.

Würde es uns alle nicht ein Stück weit ausgeglichener machen, wenn Gefühle einfach mal okay wären? Sagen zu können: “ Nein, heute geht es mir nicht gut, aber das ist in Ordnung.“. Genauso wie:“ Nein, heute bin ich nicht traurig, heute gehts es mir gut.“.

Die Akzeptanz von Gefühlen, irgendwie ist da etwas an uns vorbei gerauscht habe ich „das Gefühl“. Es muss nicht immer ein Drama sein oder besonders besprechungsbedürftig, wenn man traurig ist. Nichts muss aufgebauscht werden, nichts muss klein geredet werden, dass wäre schön.

Wenn die Lady in Schwarz sich einfach mal setzen dürfte ohne groß angeguckt zu werden, ohne Gesprächsthema Nummer 1 zu sein. Einfach zuhören, reden. Ohne Schnick Schnack. Und irgendwann wird sie aufstehen und gehen. Ohne Drama, ohne Aufsehen.

Bis zum nächsten Mal Lady in Schwarz, wir sehen uns. Und das ist okay so.

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