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Der Wunsch nach einem Regenbogen

Eigentlich haben wir unser sogenanntes Regenbogenbaby ja schon. Er kam 3 Minuten nach seinem stummen Bruder zur Welt.

Bis ich meinen Mann traf, waren Kinder nur etwas für mich, solange ich sie wieder an ihre Eltern zurückübergeben konnte. Doch nun hätte ich am liebsten ein halbes Duzend – kein Scherz. Gruselig, oder? Ich liebe meine Aufgabe als Mutter, durch meine neue Rolle habe ich umgedacht, mich verändert und bin gereift – ebenso mein Mann. Viele andere Sterneneltern müssen ohne ihr kleines Baby das Krankenhaus verlassen, in ein Haus mit leerem Kinderzimmer zurückkehren. Wir haben immer noch aus dieser schrecklichen Zeit unseren Ben. Welch ein Glück – und ein kleines Wunder.

Die schlimmste Zeit unseres Lebens scheint größtenteils überstanden, wenn auch nicht ganz verarbeitet zu sein. Und dennoch wünschen wir uns ein ‚Revival‘. Eine weitere Chance. Ein weiteres kleines Bündel. Ein erneutes erstes Lächeln. Nicht gleich hier und jetzt. Irgendwann. Aber dieser Wunsch löst in uns nicht nur Vorfreude und bunt ausgemalte Tagtraumwolken aus.

Wie hoch ist das Risiko wieder auf die Frühchen-Station zu müssen? Wie hoch ist das Risiko wieder ein gar totes Kind zur Welt bringen zu müssen? Wie hoch ist das Risiko selbst in einen kritischen Gesundheitszustand zu fallen?
Ist man einmal auf dieses Karussell aufgesprungen, hält man es nicht mehr so leicht an. Mit Pech dreht es sich tagelang am Stück.

Ich liebe Kinderklamotten! Liebe liebe liebe sie! So fröhlich und bunt! Ich muss mich fast tagtäglich bremsen. Und ich gucke mir gerne auch immer wieder Neugeborenenkleidung an, wenn ich eigentlich für unseren BenBoy shoppe, dann träume ich von einer schönen reibungslosen Schwangerschaft, die nach 9 Monaten endet und nach der ich mein Baby gleich nach der Geburt direkt an meine Brust legen und es anschließend dem stolzen Papa – diesem wunderbaren Mann!!! – übergeben kann. Ich bin halt eine professionelle Tagträumerin. Und wenn ich mir meine kleine Traumwelt mit Baby Nr 3 so zusammen träume, dann werde ich augenblicklich wieder daran erinnert, dass nichts von all dem in der letzten Schwangerschaft passiert war. 6 stress-vollbepackte Schwangerschaftsmonate, die mit einer Frühgeburt endeten und kein lebendes Baby an meiner Brust. Ein kleiner toter Mensch, in Tücher gewickelt und der andere kleine Mann auf der Intensivstation.

Und schon hat man die nächste Fahrkarte für dieses sch**ß Karussell in der Hand. Man lässt zum einemillionsten Mal wieder diese Dreckszeit vor seinem geistigen Auge Revue passieren. Sucht wieder nach der einen Erklärung, die es niemals geben wird. Die Angst erreicht Ecken im Gehirn, da kommt keine Logik dran, kein gut gemeinter Ratschlag und auch nicht die pure Vernunft. „Dann belasst es doch einfach bei einem, seid dankbar für Ben und geht kein Risiko ein!“ Wahr und Falsch. Denn ‚einfach’ fühlt es sich nicht an. Eine Familienplanung wirft man nicht einfach so „über Bord“ wenn man ganz genau weiß, was man sich eigentlich wünscht, und diese Wünsche sind nicht mit solchen Wünschen zu vergleichen wie „Ach ich hät‘ so gern das neue iPhone, aber kann es mir leider nicht leisten. Dann wird es halt eben doch das Vorgängermodell!“ Ein Kind zu wollen, sich ein Kind zu wünschen, geht unglaublich tief, hier brauch ich das nicht zu betonen. Das wissen wir alle. Egal ob und wie viele Kinder man bereits hat. Über das Leben anderer mag man leicht so schnell Ratschläge erteilen, aber als Betroffener ist das eben nicht so.

Innerhalb von 2 Minuten fällt man wieder egal wie schön der Tag war und die Tage und Wochen davor, in dieses verhasste tiefe Loch zurück. Nur weil man einen süßen Pullover im Regal hat liegen sehen und sich daran erinnert hatte, wie gern man doch wieder ein Kind erwarten würde, wie gern man wieder guter Hoffnung wäre mit all der Vorfreude und dem Optimismus, als wäre nie etwas Schlimmes passiert. Und dann legt man diesen süßen Pullover mit den aufgenähten bunten Bommeln in Größe 50 wieder zurück ins Regal und geht mit Bauchschmerzen zur Kasse.

Danke liebe Christine @na.chrissie für diese Gedanken, die wir alle so gut nachvollziehen können! Viel Mut für Euren weiteren Weg!

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