Leben mit der Trauer

Zukunft möglich machen

Über ein Jahr liegt die stille Geburt von Pauline jetzt zurück (hier geht’s zum Geburtsbericht). 13 Monate. Eine lange Zeit und doch gleichzeitig erst so kurz. Pauline fehlt immernoch jeden Tag und mein Gefühl sagt mir, dass sich das nie ändern wird.

Ich hatte ein Gespräch mit meiner Mutter. Eins von der Sorte, das mich zum Nachdenken anregt. Das kann sie sehr gut. Und dieses Mal wird das in diesem Beitrag münden. Meine Mama macht sich Sorgen, dass ich „in der Trauer stecken bleibe“ und „nicht vorankomme“. Dass ich mir sozusagen selbst die Zukunft unmöglich mache. Hat sie Recht? Was meint sie genau? Was meine ich?

Das letzte Jahr war geprägt von der Trauer, was ja nur natürlich ist. Ich habe darüber geredet, geschrieben, geweint, habe manchmal alles verflucht. Ich bin ein sehr positiver Mensch, Optimist durch und durch. Das hat mir der Dezember 2016 und Paulines stille Geburt genommen. Ich hielt vieles nicht mehr für möglich. Steckte fest. Innerlich und äußerlich. Mein Leben war schwarz, dunkel. Alles, was mir Halt gab, was mir Wärme und Licht gab, war mein Mann. Naja, nicht nur, da gibt es noch ein paar ganz besondere Menschen in meinem Leben, teilweise Familie, teilweise besondere Freunde, auch die waren da – immer. Und trotzdem hatte ich das Gefühl, nichts geht. Mein Leben stand auf Pause und irgendwie fand ich den Play-Knopf nicht.

Und ich weiß, was meine Mama meint. Das war wie „feststecken“ – in der Trauer, in meinem Leben, in meinen Ängsten. Und auch ich habe das irgendwie unterbewusst gespürt. Ich habe mich noch nie in meinem ganzen Leben auf Silvester und damit den Beginn eines neuen Jahres so gefreut. Ich freute mich so sehr auf einen „Neuanfang“. Ich wollte ein besseres Jahr, neue Möglichkeiten, Veränderungen – einfach Bewegung im Leben. Ich denke, das wird mir auch gelingen. Zum einen ist da diese Einstellung, tief in mir drin, dass es UNSER Jahr wird. Zum anderen wird dieses Jahr so einiges passieren: der Umzug, der Studienabschluss meines Mannes, meine berufliche Neuorientierung und zu guter Letzt auch mein Gang zu einer Beratungsstelle. Ich glaube, die richtige innere Einstellung kann viel bewirken. Ich mache mir eine andere Zukunft jetzt wieder möglich. Und das betrifft auch den Kinderwunsch. Ich will entspannter sein, positiv sein, daran glauben, dass es klappen kann. Dieses Urvertrauen, das mir durch Paulines Verlust verloren gegangen ist, möchte ich zurückgewinnen. Und einfach Zukunft möglich machen!

Ich möchte Euch ermutigen, das Leben anzupacken, Entscheidungen zu treffen, positiv in die Zukunft zu schauen. Lasst Euch nicht unterkriegen. Ihr habt Euer Leben in der Hand und ihr könnt Eure Zukunft möglich machen!

Eure Julia

2 Kommentare zu „Zukunft möglich machen

  1. Hallo liebe Julia,
    komischer Weise haben Gina und ich heute erst über dieses Thema ein wenig geredet.

    Ich denke, dass ich für immer an meiner Tochert (und damit halt auch an der Trauer) festhalten werde und auch möchte. In der Therapie ist klar geworden: ich möchte die kleine Seele nicht loslassen und ich habe so viel Liebe zu geben, dass jedes Kind gleich viel bekommen kann. Mit der Trauer lebt die kleine Malaika in mir weiter, für immer.

    Wichtig für mich war, dass auch bei mir das letzte Jahr von der Trauer bestimmt war. Mein Leben war/ist pausiert. Ich habe mittlerweile gelernt, dass ich mir einen Ort tief in mir drinnen schaffen kann an dem die Trauer ist. Ich kann an diesen Ort gehen und Zeit mit Malaika verbringen, um sie weinen, mit ihr Kuscheln, sie beobachten und ich kann diesen Ort aber auch wieder verlassen. Seitdem ich die Trauer für mich als Teil von mir akzeptiert habe und diesen Raum habe bestimmt sie mein Leben nicht mehr. Ich war so drauauf fixiert aufzuhören zu trauern (was furchtbar schief gegangen ist), dass ich diesen Weg gar nicht gesehen habe.

    Seit diesem Moment und auch seit dem Jahreswechsel habe ich neue Kraft und neuen Lebenswillen. Ich bin zuversichtlich, dass am Ende alles gut wird und Malaika darf in mir weiterleben.

    Jeder muss seinen Weg finden. Für mich ist das der Richtige.

    Ich drück dich und danke für deine Worte!
    Deine Laura

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    1. Danke, liebe Laura. Ja, sich klar machen, dass die Trauer für immer bleibt, aber man trotzdem weiterleben kann, das ist sehr schwer, find ich. Wie du das beschreibst mit dem Ort in dir drin, dass finde ich sooo toll. Ähnlich ist es für mich auch. Pauline ist da. Und das wird für immer bleiben. Und ja, seit diesem Jahr gehr es mir so viel besser.
      Liebe Grüße Julia

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