Allgemein · Leben mit der Trauer

Alles Mörderinnen?

Tja liebe Sternenmamas die sich für einen Abbruch entschieden haben, sind wir das?

Ich hatte ein etwas seltsames Gespräch über den Fetozid oder den allgemein Abbruch der Schwangerschaft nach medizinischer Diagnose. Heißt: der Abbruch einer Schwangerschaft mit einem Baby was keine Chance auf ein Leben hat, auch wenn wir uns das wünschen würden.

Mir wurde pauschal unterstellt, dass ich also auch eine dieser Verrückten wäre, die wenn sie sich umbringen würde, ihre Kinder mit in den Tod reißen würde. Hääääää? Ja liebe Liebende das war die These. Ich glaube selten so etwas geistig beschränktes gehört zu haben. Mal ehrlich, ich war so baff, dass ich einfach nur dumm geschaut habe und oben geschriebenes „hääääääääääää“ sich durch mein Gehirn zog.

Erstens ging es ja bei dem Fetozid nicht darum, dass ich sterben möchte und alle mit in den Tod nehmen möchte, zweitens habe ich den Tod meines Kindes nicht gewollt weil ich „doch keine Lust“ mehr gehabt habe.

Aber es gibt Menschen, die denken offenbar tatsächlich so. Alleine in der Trauergruppe in der ich einmal war, wurde ich gebeten zu gehen. Es wäre doch ein Hohn für die hier anwesenden Mütter die ihr Kind unverschuldet verloren hätte. Ich hätte mein Kind ja selber umgebracht, also was soll die Heuchelei von Trauer.

Sind wir also alles skrupelose Mörderinnen? Zu schwach für die Krankheit des Kindes?

Alle die jetzt begeister: „Ja!“, rufen: setzten 6 und einen Eintrag in’s Klassenbuch!

Nein, das sind wir nicht. Wir sind liebende Eltern, starke Frauen und Mütter. Es gibt da ein Gefühl, das nennt sich Mutterinstinkt und dieser Instinkt leitet dich bei der Wahl wie weit du mit einem totkranken Kind gehen wirst. Deswegen entscheiden sich einige für das Weitertragen und gucken was die Zeit bringt und die anderen entscheiden sich dagegen. Das hat etwas mit der Individualität zu tun, etwas mit Gefühl und Instinkt. Natürlich gibt es eine Schnittmenge die zu dem ein oder anderen Weg überredet wurden. Die Meinung der Außenwelt, die Hoffnung, die ist stark beeinflussend. Und so gibt es natürlich Frauen die den ein oder den anderen Weg bereuen. Aber auch das ist natürlich. Denn beides kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Aber es gibt keinen richtigen Weg mit einem totkranken Kind in deinem Bauch. Es gibt nur ein Gefühl und auf dieses sollte man hören, egal wer was sagt.

Wir Mütter die sich für den Tod des Kindes entscheiden, wir pauschalisieren ja auch nicht und urteilen alles ab, das nicht unserer Entscheidung entspricht. Bei Tieren zum Beispiel spricht man von Erlösung wenn man sie einschläfern lässt. Keiner verurteilt dich, wenn du deinen schwer kranken Hamster einschläfern lässt. Niemand knallt dir vor der Praxis „MÖRDER“ um die Ohren. Wenn du deinem Kind nicht erlaubst mit einem scharfen Messer oder offenem Feuer zu spielen, wird dich niemand anbrüllen, dass du deinem Kind da aber vollkommen die Selbstkompetenz zum freien Willen genommen hast und es sich so ja nie zu einem denken Menschen entwickeln wird. Das wird niemand zu dir sagen. Aber wir, die ebenfalls für das Kind entscheiden, dass mit einem Messer names „tödlicher Krankheit ohne Lebenschance in der Diagenose“ nicht gespielt wird, wir müssen uns rechtfertigen? Ernsthaft? Nein!

Ja, ich wollte, dass mein Kind stirbt. Ja ich habe sogar darum gekämpft, dass es in mir sterben darf! Ich bin Mama und ich würde immer wieder alles für mein Kind tun, damit es nicht leidet, keine Schmerzen hat. Ich bin Mama, ich trage Verantwortung für dieses Kind und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht mit meinem Kind spreche. Ich liebe es.

Das nennt man übrigens Muterliebe und nicht Mörderin. Fängt beides mit M an.

 

 

 

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