Leben mit der Trauer · Trauerverarbeitung

Denk an Dich!

Ein Thema, welches mir zum Thema Sterneneltern immer wieder begegnet, ist die fehlende Rücksichtnahme der Umwelt.

Was meine ich damit? Zum Beispiel: Besuch kündigt sich an, die ganze Familie möchte vorbeikommen und freut sich auf selbstgemachten Kuchen und Kaffee. Dir geht’s aber heute nicht so gut, die Trauer schlägt mal wieder mit voller Wucht zu und die Lust auf die „Bespaßung“ so vieler Menschen ist Dir vergangen. Wie oft habe ich da die Frage schon gelesen, ob es okay wäre, das Familientreffen abzusagen. 

Anderes Beispiel. Man trifft sich mit der Familie, eine Familienfreundin hat gerade ein Baby bekommen. Plötzlich reden alle darüber, dass man ja die Babysachen für „Dein“ Baby weitergeben könne, schließlich brauche es die Sachen ja nicht. 

Oder ein Beispiel aus eigener Erfahrung: Meine Mama wollte bei Paulines Geburt dabei sein. Nicht im selben Raum, aber doch wenigstens irgendwo im Krankenhaus. Und ich verstehe das gut, sie machte sich Sorgen um ihre Tochter und wollte in der Nähe sein. Früher konnte ich dazu nicht nein sagen. Aber jetzt… Es ging um meinen Mann und mich. Was WIR fühlen, was WIR brauchen. Und diese Nähe brauchten wir nicht. Wir brauchten einen geschützten Raum, nur wir beide und unsere Tochter. Meine Mutter musste zurückstecken. 

Und das ist, was ich Euch sagen möchte: Die Zeit nach der Diagnose, während und nach der Geburt, während der Trauer. Das ist Eure Zeit. Niemand hat das Recht, sich ungebeten einzumischen. Aber gleichzeitig kann auch niemand wissen, wie ihr Euch fühlt, wenn ihr es nicht mitteilt.

Das zweite Beispiel zeigt es. Man sitzt da wie geschockt und möchte sagen, warum redet ihr so? Das macht mich traurig/wütend/es verletzt mich. Wenn man nicht die Kraft oder den Mut aufbringt sofort darüber zu reden, was dieses Verhalten in Euch auslöst, teilt es hinterher mit. Zur Not schriftlich. Keiner kann in Euren Kopf gucken und wissen, wie es Euch geht. Ihr müsst es mitteilen, auf welche Art auch immer.

Manchmal ist mir schon begegnet, dass Sternenmamas sagen, sie hätten den betreffenden Personen gesagt, wie es ihnen geht und seien auf Unverständnis gestoßen. „Es ist doch schon so lange her, Du musst jetzt mal dami klarkommen.“ Aber Trauer hat ihren eigenen Rhythmus und es ist okay zu trauern, wann immer einen dieses Gefühl überkommt. Wenn also gar nichts mehr hilft, dann geh auf Abstand. Auch das ist okay. Im Mittelpunkt steht Dein Wohlbefinden, Dir soll es gut gehen, Dein Leben ist aus den Fugen geraten.

Das ist vielleicht eins der Dinge, die wir aus dem Tod unserer Babys lernen können: Uns selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Auf unsere eigenen Bedürfnisse zu hören. Denn es ist unser Leben, das durch die Trauer beeinflusst ist. Für immer verändert. Und nur WIR wissen, was uns gut tut und was wir brauchen oder nicht brauchen, um durch die Trauer hindurch zu gelangen. Also stellt Eure Gefühle nicht hintenan. Nehmt sie Ernst, kommuniziert sie. Denkt an Euch selbst!

Eure Julia

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