Leben mit der Trauer · Trauerverarbeitung

Trauer in der Partnerschaft – zusammen getrennt 

Nachdem ich Ginas Artikel über Trauer und Partnerschaft gelesen habe (hier geht’s zum Beitrag), habe ich zum ersten Mal seit wir den Blog zusammen ins Leben gerufen haben gedacht: „Nein, so war es bei uns nicht!“ Wir haben uns über die Unterschiede ausgetauscht und ich finde, auch andere „Modelle“ dürfen hier auf dem Blog vorgestellt werden. Es gibt ja nicht den einen Weg, wie es mit der Partnerschaft nach solch einem Schicksalsschlag läuft. Hier also nun meine Erfahrungen:

Was soll ich sagen, unserer Partnerschaft  erging es gut. Wir haben beide in den fünf Monaten Wartezeit bis zur endgültigen Diagnose gesagt, dass wir uns als Paar daran nicht zerbrechen lassen wollen. Klar, das möchte natürlich kein Paar. Stattdessen wünscht man sich Halt. Halt und Verständnis. Nicht allein zu sein mit seiner Trauer. Geborgenheit. Und ganz wichtig: keine Schuldzuweisungen.

IMG_0051

Ein wichtiger Grundpfeiler unserer Beziehung war schon immer die Kommunikation. Miteinander reden. Die Betonung liegt hierbei auf MITeinander. Nicht aneinander vorbei, nicht übereinander. Miteinander. Sich austauschen, die Gefühle klar benennen, ehrlich sein. Die Ehen unserer Eltern wurden beide geschieden und das hat uns geprägt. Das miteinander reden erscheint uns als einzige Lösung, eine Beziehung zu führen. Nur so kann der andere schließlich wissen, was einen bewegt, was einen beschäftigt.

Und so haben wir es auch in jeder Phase des Erlebten gemacht. Als wir nicht wussten, woran Pauline leidet. Als wir nicht wussten, ob wir uns für oder gegen einen Abbruch entscheiden sollten. Als wir die Geburt erleben mussten. Als wir die Beerdigung geplant haben. Wir waren uns nicht immer einig, aber wir haben geredet und immer eine Lösung gefunden, die für uns beide tragbar war und immernoch ist.

Das schöne ist, das keiner versucht hat, den anderen zu verbiegen. Oder dem anderen die Schuld zu geben. Kein Gefühl von „Du trauerst gar nicht!“/“Du trauerst falsch!“ Keine Vorwürfe. All das bringt nichts. Wir sind nun mal unterschiedliche Menschen. Und so, wie mein Mann den Weg in einer fremden Stadt anders sucht als ich, so sucht er auch seinen eigenen Weg durch die Trauer ganz individuell. Nur dürfen wir uns auf diesen unterschiedlichen Wegen nicht verloren gehen. Und da kommt wieder die Kommunikation ins Spiel. Wer darüber redet, in welche Richtung er geht, der ist nicht allein. Der kann auch nicht verloren gehen.

Und das Reden hat uns das Gefühl gegeben, nicht allein zu sein. Wir haben unterschiedlich getrauert. Ich eher offensiv und aktiv. Ich musste etwas TUN, mich bewegen, meine Hände bewegen, meinen Geist bewegen. Mein Mann hat geredet. Mit mir. Mit seinem besten Freund, mit Teilen seiner Familie. Wir haben zusammen getrennt getrauert. Wir trauern zusammen getrennt.

IMG_0156All das hat uns noch mehr zusammengeschweißt. Wir wissen, was wir aneinander haben. Wir wissen, dass wir ähnlich fühlen und dass der andere uns versteht. Ja, um Ginas Bild aufzugreifen, wir blicken nicht in dieselbe Richtung, wir blicken einander an. Wir sehen uns, wir hören uns, wir fühlen uns.

Nicht jedes Paar braucht eine Paartherapie. Einige schaffen es auch so. Das sind erfahrungsgemäß nicht viele. Wenn man es nicht schafft, sollte man sich das frühzeitig eingestehen und sich Hilfe holen. Aber ich wollte Euch zeigen, dass es auch anders geht. Mit Liebe, mit Zuhören, mit Eingrstehen, dass jeder anders trauert.

Eure Julia

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s