Allgemein · Leben mit der Trauer · Trauerverarbeitung

Partnerschaft von Sterneneltern

Eins meiner liebsten Themen: die Partnerschaft von Sterneneltern. Was fällt auf? Mir zumindest, dass Außenstehende das tröstliche Bild von zwei sich stützenden Menschen haben. Ich weiß ja nicht ob meine Partnerschaft, meine Ehe irgendwie unharmonisch ist, aber die Trauer war alles andere als leicht für uns und diese gemeinsam zu überstehen war echte Arbeit.

Ich weiß nicht wie oft wir uns angeschriehen haben, ich geheult habe und er sinnlos irgendwelche Ballerspiele gespielt hat. Ich ihm Vorwürfe gemacht habe, mich unverstanden und alleine gefühlt habe und es ihm ganz genau so ging. Gemeinsam in die gleiche Richtung gucken, heißt nämlich sich gegenseitig nicht sehen zu können.

Sprich, wenn beide in die Trauer gucken, gucken sie sich nicht in die Augen. Nicht mal mit viel schielen sieht man da was, so ging es uns jedenfalls. Wir haben eine Therapie gemacht, wir saßen einander gegenüber. Wurden einander gegenüber gesetzt und ich weiß WIE bitterlich ich geweint habe, als ich meinem Mann in die Augen geguckt habe, denn ich habe dort unerwarteter Weise meinen eigenen Schmerz gesehen. Den Frust, die Trauer, die Wut die ich so gerne an ihm abgelassen habe und er an mir. Ich war mir sicher, dass er das Ganze verdrängt, bereits hinter sich gelassen hat oder es ihm teilweise egal war, einfach weil ich mir sicher sein wollte. Ich wollte jemandem für irgendwas die Schuld geben. Ich wollte Schuld. Ich war ungerecht. Er trauerte meiner Meinung nach nicht richtig, ich schon. Er sollte wie ich trauern. Richtig. Aber es hat uns weiter gebracht. Wir reden nun anders miteinander. Eine Paartherapie? Haben  viele nicht nötig sagen sie. Was wenn doch? Ich dachte auch, dass wir das schon irgendwie wieder hinbekommen. Im Nachhinein denke ich, dass wir uns vielleicht nicht sofort getrennt hätten, aber es wäre eine Kluft entstanden, die bei jedem Streit tiefer geworden wäre, auch wenn es um andere Themen ginge.

In die gleiche Richtung gucken? Immer? Ich sage nein! Den schönen Sonnenuntergang, klar, den guckt man sich gemeinsam an, aber in der Katastrophe, da guckt bitte bloß nicht in die gleiche Richtung, guckt euch an! Oder macht es wie zwei Soldaten im Einsatz, währen der eine einen Schritt vorwärts geht, sichert der andere von hinten und umgekehrt. Aber guckt bloß nicht immer in die gleiche Richtung. Wenn der Sturm vorbei ist, dann könnt ihr hinter euch schauen, gemeinsam. Stolz sein, was ihr geschafft habt, könnt wieder gemeinsam nach vorne blicken, aber vergesst nie den Blick zur Seite, den Blick zueinander. Sonst guckt ihr vielleicht irgendwann neben euch und seht, dass der andere nicht mehr da ist, neben euch, sondern meilenweit entfernt.

 

Ein Kommentar zu „Partnerschaft von Sterneneltern

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