Allgemein · Leben mit der Trauer

Hinfallen, aufstehen, Selbstachtung richten

Trauer kennt jeder von uns. Auch das Auf und Ab, das damit einhergeht.

Doch was, wenn die Trauer zu übermächtig wird? Was wenn man das Gefühl hat darin zu versinken. Ich vergleiche die Trauer gerne mit Ebbe und Flut. Sie kommt, sie steigt, sie flutet, aber sie geht meist auch wieder, senkt den Pegel und fließt ab. Irgendwann kennt man die Gezeiten vermeintlich. Doch was wenn man plötzlich von den Gezeiten mit raus gezogen wird? Was wenn man das Gefühl hat, diese mal nicht das Haus am Rand der Gezeiten zu sein, sondern etwas, was von der Flut ins Wasser, die Trauer gehoben worden sein und mit der Ebbe ganz in das (Trauer-)Meer gezogen wurde?

Da helfen alle guten Ratschläge von außen nicht, denn man fühlt sich hilflos und genau das ist man auch. Was man wenn man dies fühlt, sich aber einfach nicht mitteilen kann? Entweder weil man sich nicht ausdrücken kann, Angst vor den Reaktionen hat oder sich aber sogar dafür schämt, weil es doch langsam mal genug sein sollte.

Man will doch „normal“ sein, man will doch bloß wieder Normalität von der Umwelt. Bitte nicht wieder dieses aliengleiche Angegaffe, vorsichtiges umtanzt werden und rumgedruckse. Also sagt man oft nichts, hofft, dass das Meer einen auspuckt und wieder an Land treibt.

Ich bin das predistinierte Opfer. Einfach weil ich nie etwas sage. Ich schreibe ja,… aber selbst das fällt manchmal unglaublich schwer. Weil man dann über etwas schreibt, was man selbst nicht mehr hören kann und will. Für andere einstehen, das kann ich und mache ich. Für mich einstehen ist nicht so mein Ding, ich will funktionieren und das möglichst effizient. Jemandem zu sagen, hey es geht mir nicht gut, bitte schütze mich, bitte helf mir, ich weiß im Moment nicht wohin, das fällt mir unglaublich schwer. Ich will weder Probleme haben, noch eins sein. Und oft ist es ja auch so, dass der Schmerz der aus einem bricht, einmal ausgesprochen sofort kleiner ist. Das Monster in Wahrheit nur ein Schatten war. Aber ausgesprochen heißt, dass der andere nur das Monster kennt, den Schatten aber nicht sieht. Ausgesprochen ist unser eigenes Problem vielleicht sogar von sich aus aufgelöst, weil es einfach ausgesprochen wurde…. nur verstehendies  die Meisten nicht. Für sie hat man dann ein Problem. Und das mag ich nicht. Ich mag mich nicht über meine Trauer definieren lassen. Sie ist so unglaublich vielfältig.

Im Moment  ist es schwer den Weg zu finden.  Ich bin normalerweise sehr positiv unterwegs, die Trauer hat für mich normalerweise viele Farben. Nur im Moment sehe ich diese nicht. Sie sind im Nebel, da ist viel Grau und ich mag mich nicht. Mal schon, aber irgendwie bin ich nicht ich. Ich muss dringend an meiner Selbstachtung arbeiten, diese wie ein Krönchen aufsetzen und richten, wenn ich stolpere.

Ich hoffe, dass dies alles besser wird nach dem 14. Oktober, denn an diesem Tag ist mein kleines Mädchen beerdigt worden. Und dies sitzt in mir wie ein schwarzes Loch, frisst mich oft auf. Ich kann nicht mal einen Satz darüber schreiben, weil es so ….ja, es war nicht das was ich wollte. Sie wurde mir nochmal genommen. Ich  bin nicht ich, dieser Tag frisst mich auf. Ich weiß, ich sollte darüber reden, darüber schreiben. Aber es geht nicht. Und meine Gedanken kreisen, ich tauche unter, will in Ruhe gelassen werden. Will Mama Bär im Winterschlaf sein. Dieser Tag soll sich nicht jähren. Ich möchte mich auflösen un dkann nur hoffen, dass man mich immer noch lieb hat, wenn ich aus den Fluten auftauche und dieser Tag mich loslässt, mich aus seinen Klauen lässt…

Und das hoffe ich vor allem bezüglich meiner wunderbare Blopartnerin. Die Wochenenden wollte ich mir mal wieder hierfür frei halten, für dieses Herzensprojekt. Und dann sitze ich vor dem PC und weine die Tastatur voll und traue mich nicht dies zu sagen, dass ich überfordert bin, nicht weiß was ich sagen will, sagen kann.  Ich will doch anderen Mamas Mut machen. Aber sitze einfach nur da und weine und geh wieder ins Bett irgendwann, ich schäme mich für dieses Verhalten. Aber so ist die Trauer. Manchmal nimmt sie dich mit und du kannst nichts dagegen tun.

Ein Kommentar zu „Hinfallen, aufstehen, Selbstachtung richten

  1. Liebe Gina,
    Als ich Deinen Text gelesen habe,kamen mir die Tränen und ich kann dich so gut verstehen.
    Du hast fast eins zu eins beschrieben,wie ich mich letztes Jahr gefühlt habe. Hatte den Halt verloren, selber keine Kraft mehr und wollte dennoch nicht zugeben,dass es mir schlecht geht und wollte weitermachen wie bisher.
    Aber ich war auch körperlich ziemlich am Ende,wurde dauernd krank.
    Zwei ganz liebe Menschen in meinem Umfeld ( eine Kollegin und meine Chefin) merkten, dass etwas ganz und gar nicht stimmte und haben mich mit viel Geduld dazu gebracht,endlich zu sprechen. ( Ich tue mich auch extrem schwer über meine Probleme zu sprechen,will keinem zur Last fallen,genau wie du es beschreibst)
    Aber ich muss sagen, so schwer es mir auch fiel und es brauchte auch viele Gespräche und viel Zeit,bis ich den beiden alles erzählen konnte( also auch von Abbruch und dem Fetozid), danach fühlte ich mich irgendwie erleichtert und zum ersten Mal auch verstanden und akzeptiert. Ich bin den beiden sehr dankbar und es tut echt gut zu wissen, dass es Menschen gibt,die auch im Tief zu einem stehen und auch nur das Zuhören hat schon geholfen.
    Ich schreibe das alles,um Dir zu zeigen,dass Du mit solchen Gefühlen nicht alleine bist und will Dir gleichzeitig Mut machen,es zu versuchen.
    Natürlich ist es eine große Überwindung und auch heute fällt es mir auch immer noch nicht leicht, aber zumindest bei den beiden weiß ich eigentlich,dass es okay ist. Und dennoch überlege ich bestimmt drei Mal bevor ich spreche,aber jedes Mal hilft es etwas weiter.
    Ich schaffe es auch immer noch nicht,mit anderen zu sprechen,aber ein Anfang ist gemacht.

    Aber ich denke auch,dass jeder der ein mal auch in unserer Situation war, solche Zeiten kennt,in denen die Trauer einfach übermächtig scheint und deine Gefühle nachvollziehen kann.

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