Bestattung

Letzte Ruhe am Sternchenbaum

Irgendwann begegnet allen werdenden Sterneneltern die Frage nach der Beerdigung ihres Babys. Einen schönen Platz für das eigene Kind zu finden ist ein Grundbedürfnis aller Eltern. Wie haben wir uns entschieden? Welche Überlegungen spielten dabei eine Rolle? Wie hat uns die Lösung gefallen? All das soll Euch dieser Beitrag berichten.

Schon relativ früh während der Wartezeit auf die Diagnose (für den Beitrag über die Diagnose hier entlang) machten wir uns Gedanken über die Beerdigung unserer Pauline. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt bereits, dass eine Sammelbestattung des Krankenhauses möglich ist. Obwohl diese Möglichkeit natürlich wirklich toll, besonders für Sterneneltern mit wenig Geld (zu denen wir eigentlich gehörten), wollten wir trotzdem keine Sammelbestattung für unsere Tochter. Für uns sprachen mehrere Dinge dagegen:

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Zum einen fand solch eine Bestattung nur einmal (in anderen Kliniken zweimal oder sogar mehrmals) im Jahr statt. Unsere Klinik bot solche Bestattung im September an und neun Monate damit zu warten, kam für uns nicht in Frage. Die Beerdigung gehörte für meinen Mann und mich zum Abschließen dieser ersten großen akuten Wunde dazu. Neun Monate warten hätte für eine neun Monate offene, vor sich hinschwärende Wunde bedeutet. Das wollten wir nicht.

Zum anderen wollten wir möglichst viel selbst bestimmen und selbst ausführen. Bei einer Sammelbestattung ist man nur Gast auf der Beerdigung, man nimmt alles so hin, wie der Organisator es geplant hat. Auch das wollten wir nicht.

Also suchten wir nach Alternativen. Und fanden einen Ruheforst direkt an der Ostsee. Die Idee eines Waldes, der Ruhe, der zwitschernden Vögel, dem Rauschen des Meeres, all dies gefiel uns als letzte Ruhestätte für unsere kleine Tochter. Zudem gab es dort einen Sternenkinderbaum. Das besondere an einem Ruheforst, dass man keine Grabpflege machen muss. An den Bäumen darf eigentlich nach der Beerdigung nichts abgelegt werden, alles soll natürlich gehalten werden. Wir waren uns sicher, dass wir kein „herkömmliches“ Grab brauchten, an dem wir alle Wochen die Dekoration und Bepflanzung ändern müssten. Wir wollten einen Ort, an dem Pauline es schön hat und an den wir zu ihr kommen können. All dies gab uns das Gefühl, den richtigen Ort gefunden zu haben.

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Nach der stillen Geburt (zu Paulines Geburtsbericht geht es hier) gingen wir also zum Bestatter unserer Wahl und trafen auf einen sehr einfühlsamen Berater. Er fragte nach unseren Wünschen und so besprachen wir zusammen den Ablauf der Beerdigung. Es war zwar ein schwerer Gang, trotzdem gingen wir zufrieden und mit einem guten Gefühl aus dem Geschäft!

Ein paar Tage nach Paulines Geburt war es dann soweit: Die Beerdigung stand an. Sie fand an dem Andachtsplatz des Waldes statt, mit Blick auf die Ostsee. Unter einem Holzkreuz stand Paulines kleine Urne, die mit goldenen Sternen besetzt war. Rechts und links hatten wir zwei Blumen für sie mitgebracht. Es spielte „Befiehl du deine Wege“ und schon liefen die Tränen… Danach las mein Mann seine vorbereitete Rede vor. Diese Rede war für mich das emotionalste an der ganzen Zeremonie. Sie sprach uns beiden aus dem Herzen. Sie war das Herzstück, unsere Gedanken, unsere Wünsche, alles, was wir Pauline mit auf den Weg geben wollten. Als Abschluss spielte „Weißt du wie viel Sternlein stehen?“. Danach trugen wir beide ihre Urne an den Sternenbaum, ließen sie in das vorbereitete Grab nieder und verabschiedeten uns. Dieser Abschied war endgültig. Sie war jetzt weg. Für immer.

Diese Bestattung erscheint uns auch heute noch als „richtig“. Sie war komplett von Anfang bis Ende „unsere“ Beerdigung. Wir hatten sie vorbereitet, alles ausgesucht. Wir hatten so viel selbst übernommen, wie wir konnten. Es war das letzte, was wir für unsere Tochter tun konnten. Das letzte. Seitdem ist ihr Ort an einem Baum in einem Wald an der Ostsee.

Eure Julia

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