Diagnose · Gastbeitrag

Abschied vom Wunschkind 

Es ist das Wochenende vor meinem Geburtstag. Heißhunger auf Bratwurst &Spiegelei, extreme Müdigkeit und Sodbrennen plagen mich. Als ich abends genauer drüber nachdenke, kommen mir diese Symptome bekannt vor. So ging es mir als ich mit meinem Sohn schwanger war, der zu diesem Zeitpunkt 10 Monate alt ist.

Am Montag machte ich einen Test und im Unterbewusstsein wusste ich schon,  dass dort ein „schwanger“ auftauchen wird und so war es auch.

Ich war zu erst geschockt, wieder schwanger. Was nun.

Gerade erst umgezogen, 10 Monate altes Kind, wieder eine Risikoschwsngerschaft, von Elternzeit wieder sofort ins Beschäftigungsverbot, was sagt der Arbeitgeber dazu….Gedanken über Gedanken… Sorgen über Sorgen. Am nächsten Tag bekam ich für Ende der Woche einen Frauenarzttermin. Die Schwangerschaft würde bestätigt, aber noch eine sehr frühe Schwangerschaft und ich bekam somit einen erneuten Termin in 17 Tagen. Übelkeit, Heißhunger und Ängste, dass etwas mit meinem Wurm nicht stimmt plagten mich. Beim nächsten Termin sah alles gut aus, Herzchen schlug und die Schwangerschaft würde auf 7+1 anhand der Größe bestimmt. ET ist der 29.10.


Obwohl alles gut aussah, wurden meine Zweifel größer.

Ich versuchte mich zu beruhigen, aber dies gelang mir nicht so recht. Träume von Blutungen raubten mir den Schlaf. Nun musste ich auch langsam einen Termin mit dem Arbeitgeber machen. Bei der Terminfindung entschied ich mich bewusst, für nach den nächsten Frauenarzttermin mit Ultraschall, denn die Angst und die Träume hörten nicht auf. Ich machte mir auch in der ersten Schwangerschaft Gedanken, aber nicht annähernd wie jetzt. Nun war der erneute Frauenarzttermin, mein Freund und ich hatten uns für ein Ersttrimester Screening entschieden und ich wollte einen Termin dafür vereinbaren. Meine Ärztin wollte erstmal sehen wie groß in der Wurm ist und ob wir fürs Screening noch Zeit haben. Ich war gespannt den Wurm wieder zu sehen, ich war nun bei 10+3 und mein Sohn war damals so aktiv und sprang wie wild in seiner Fruchtblase umher. Aber Würmchen schien zu schlafen, ganz ruhig ließ sie das Schallen über sich ergehen.

Aber auch meine Ärztin war ganz ruhig und stellte mehrmals am Gerät was ein, nur sagte nix, ich hielt diese Ruhe nicht aus und sagte “ Ist ja schon ordentlich gewachsen zum letzten Ultraschall“ da brach meine Ärztin ihr Schweigen…

Würmchen ist zu klein für ihre Woche und sie findet keine Herzaktion mehr. Ich war mir sicher, dass ich mich verhört habe, denn das kann doch nicht sein. Sowas passiert doch nur anderen und nicht mir, glaubte ich fest. Dich dann würde mir bewusst, dass ich mich nicht verhört habe. Ich bekam keine Luft mehr, als ob jemand auf mir sitzt und hatte das Gefühl dass ich falle, immer tiefer und tiefer ins Nix. Mir war schlecht und die Tränen liefen. Was passiert jetzt? Mein Kind ist in mir verstorben? Was hab ich falsch gemacht? Wann ist es passiert? Bin ich nicht mehr in der Lage ein Kind auszutragen? Ich wollte nur noch weg, ich konnte meiner Ärztin nicht richtig zuhören, sie sagte was von Ausschabung und das viele Frauen Fehlgeburten haben und gerade in der 2. Schwangerschaft, doch an mehr erinnere ich mich nicht. Ich wollte jetzt nur noch zu meinem Kind und zu meinem Freund. Keinen anderen mehr sehen oder hören. Ich vereinbarte am nächsten Tag im Krankenhaus für den Folgetag einen Termin für die Ausschabung. Ich saß im Krankenhaus bei der Gyn Anmeldung, viele Schwangere warteten mit mir und einige Mütter gingen mit ihren Neugeborenen an mir vorbei…Und ich saß dort mit meinem toten Kind im Bauch. Ich wurde untersucht und es wurde nochmal bestätigt, dass das Herz nicht mehr schlägt. Die Ärztin war mir von Anfang an sehr unsympathisch und das Gespräch war für sie auch nur eine Aufgabe in ihrem Job. Sie sagte, dass es ja noch kein richtiges Baby ist und nur ein Zellhaufen ist, aber für mich ist es mein Kind, so wie mein Sohn.  Ein Teil von mir und von meinem Freund. Nachdem ich noch das Gespräch mit der Anästhesie hatte, musste ich noch mal auf Station um mir Tabletten abzuholen. 2 Tabletten Cytotec nahm ich mit nach Hause, eine für abends und eine für morgens.

Ich nahm um 19.oo die erste Tablette Zuhause und nach ca 3-4 Std spürte ich regelartige Schmerzen, ich wusste es waren Wehen. Ich hatte Angst nun zur Toilette zu gehen, denn ich wusste das Blutungen eingesetzt haben.

So war es auch. Ich hatte starke Schmerzen und blutete stark. Am nächsten Tag um 6.3o waren wir wieder im Krankenhaus zur Op. Nüchtern, traurig, überfordert und mit Angst saß ich nun auf dem Bett und zog mir die Op Kleidung an und verabschiedete mich von meinem freund und meinem Sohn. Um 8.oo würde ich in den OP gefahren und ich konnte die Tränen nicht zurück halten, bis zu der Narkose weinte ich. Ich würde wieder wach und rutschte von der Trage auf mein Bett. Das war es nun also, ich hatte leichte Schmerzen, aber die waren auszuhalten, doch da war noch was…die Leere…es fehlte was…mein Wurm fehlte…mein Freund und mein Sohn holten mich um 14.oo ab. Ich bekam kein Infomaterial, nur meinen Entlassungsbrief…ist anscheinend nur eine Routine OP. Kein Grund zur Traurigkeit. Müssen wir alleine mit klar kommen. Mein Freund und ich haben uns dazu entschieden unserem Sternenkind einen Namen zugeben, denn es ist unser Kind.

Aufgrund der unterschiedlichen Schwangerschaftsgelüste und meinem Gefühl, dass es ein Mädchen war, haben wir uns für einen Mädchennamen entschieden….Luna…unser Mond im Reich der Sternenkinder…

Danke für diesen Gastbeitrag einer anonymen Sternenmama!

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