Geburtsbericht

Geburtsbericht und Fetozid

Warum von einer stillen Geburt schreiben? Warum vom Fetozid in der 36. SSW erzählen? Warum? Wollen wir Angst machen? Nein, wir wollen diese nehmen!

Ich habe mich für den Fetozid entschieden bei meiner Tochter. Die Schwangerschaft war von der Wochenzahl fast abgeschlossen, die Zeit drängte. Ließt man im Internet darüber, wird es oft als grausam dargestellt, aber ist es das? Das ist eine Frage, die nur jeder für sich beantworten kann, aber urteilen darf nur der, der die Entscheidung in dem Moment tragen muss. Ich habe mich für den Fetozid entschieden, mich bewusst dafür entschieden meine Tochter im Bauch gehen zu lassen.

Was passiert bei einem Fetozid? Im Grunde ist es wie ein Fruchtwasseruntersuchung und doch ist alles anders. Vorweg, die Seele leidet hierbei am Meisten, es ist die Psyche die schmerzt, denn man weiß ja, dass es keine Fruchtwasseruntersuchung ist, sondern die Nadel dieses Mal das Herz deines Kindes trifft, das Herz, welches danach aufhört zu schlagen. Das tut deutlich mehr weh, als die Nadel an sich. Es ist ein Schmerz, natürlich, erst Recht wenn du sowieso bereit bist zu Gebären und deine Gebärmutter schon Wehen geübt hatte. Aber der Schmerz ist zu ertragen. Grade so. So ging es mir, danach war alles ruhig in mir, alles. Ich hatte Angst davor eine Leiche in meinem Körper zu haben, denn die Geburt darf erst 24 Stunden nach dem Fetozid eingeleitet werden, nach erneutem Ultraschall ob es wirklich steht, das kleine Herz.  Aber was soll ich sagen? Da war immer noch meine Tochter, da war immer noch ich, ich hatte sie und ich war so dankbar dafür, dass man sie mir nicht gleich nahm. Es war unsere letzte Nacht und es machte keinen Unterschied zu davor. Tod oder Lebendig, sie  war in meinem Bauch und ich hatte mein Baby. Ich war bei mir, ich war klar, ich funktionierte. Am nächsten Tag fing die Einleitung an.

Ich war bereit für die Geburt, mein Körper funktionierte und reagierte in Windeseile auf das Medikament. Leider wurde mir zu viel verabreicht, dadurch wurde meine Geburt zu einem wilden Ritt aus viel zu starken Wehen, viel zu kurzen Pausen, falsch gesetzter PDA, zu viel Schmerzmittel und meinem Beinahe-Tod. Aber als ich meine Tochter zur Welt brachte, da war dies alles weg. Mein Körper der eben noch gelähmt war von der aufsteigenden PDA, mein Kopf der nicht mehr von mir selber gehalten werden konnte und die unbändigen Geburtsschmerzen durch die Einleitung verschwanden von einer Sekunde auf die andere. Plötzlich war ich klar, ich wollte meine Tochter haben, habe sie geküsst, angezogen, gewaschen, mein ganzer Stolz und ich hatte sie zur Welt gebracht. Ich alleine hatte dieses kleine Wunderwesen geschaffen, was da in meinem Arm lag. Der Tod kann diese Liebe nicht nehmen, die eine Mutter zu ihrem Kind spürt. Die Geburt ist eine andere, vor allem wenn eingeleitet. Es sind keine natürlichen Wehen und dagegen hat sich mein Körper gewehrt und wurde dennoch mitgerissen. Aber dennoch ist die Geburt, trotz allem, die wunderschönste Erinnerung, die ich besitze. Sie hat mich zur Mutter gemacht, ich habe Bärenkräfte, ich bin seitdem ganz Frau, anders. Still war meine Geburt übrigens nicht, ich habe gebrüllt aber es war mir egal, der Schmerz musste raus und er kam raus. Und nur weil meine Maus nicht schrie, als sie zur Welt kam, war da doch das Lachen der September Sonne im Raum. 15:39 Uhr. Die Uhrzeit als ich zur Mama wurde, als ich meinen Mann zum Vater machte.

Eine stille Geburt birgt eine unglaubliche Kraft in sich. Die Kraft die dich dazu gebracht hätte in der Nacht für dein Kind aufzustehen, die habe ich genutzt und umgewandelt. Sie für meine Heilung genutzt. In meinen Erinnerungen ist diese Geburt rosa-rot, obwohl sie ihre Komplikationen hatte, aber dafür sind wir Frauen geboren. Sonst würde Frau ja nach dem ersten nie wieder ein Kind bekommen. Es birgt eine Sucht sein Kind auf die Welt zu bringen, denn der Moment danach ist unbeschreiblich. Erst recht wenn du beim ersten kein Kind an der Hand hast. Das ist was du als Frau kannst und was zumindest ich seitdem sehnlichst wieder erleben will. Das Wunder Lebens, das dem Tod so nahe ist, aber beim nächsten wird es bleiben. Ich weiß es!

Eine stille Geburt ist nichts was man sich wünscht aber sie ist machbar, sie ist notwendig für den Abschied, sie ist wichtig für die Heilung und sie kann schön sein, man kann sie sich schön machen. Der Fetozid ist manchmal notwendig und auch diesen übersteht man, wenn man zu seiner Entscheidung steht, die man für das eigene Kind getroffen hat, nicht dagegen.

In liebevollem Gedenken an meine erstgeborene Tochter. ❤

 

Eure Gina

 

 

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